Selbstverständnis

In der Deutschen Allianz Klimawandel & Gesundheit (KLUG) haben sich engagierte Einzelpersonen, aber auch Organisationen aus dem Gesundheitsbereich, Wissenschaft und der Zivilgesellschaft zusammengeschlossen, um in der Klimakrise vom Wissen zum Handeln zu kommen. Ziel ist die rasche Transformation in eine klimaneutrale Gesellschaft.

Das Gesundheitswesen mit all seinen Akteur*innen kann und muss dabei einen großen Beitrag leisten, denn es geht darum, die Lebensgrundlagen für diese Welt und künftige Generationen zu sichern. KLUG fühlt sich der Idee der planetaren Gesundheit („planetary health“) verpflichtet: Wenn der Planet krank ist, kann der Mensch nicht gesund sein.

Es geht darum,

  • den Klimawandel als zentrales Thema für die Gesundheit deutlich zu machen („größte Bedrohung für die Gesundheit in diesem Jahrhundert“, Lancet)
  • Strategien zu entwickeln, wie das Gesundheitssystem und Gesellschaft besser auf die bestehende Klimaerwärmung reagieren und ihre Auswirkungen mildern können (Notfallpläne für Hitzewellen, Aus- und Fortbildung für Ärzt*innen und Pflege)
  • Strategien zu entwickeln, wie Klimaschutz gleichzeitig als Gesundheitsschutz wahrgenommen und ausgebaut werden kann („größte Gesundheitschance“, Lancet), zum Beispiel durch fleischarme/-lose Ernährung, nicht-motorisierte Bewegung usw.)

Angehörige der Gesundheitsberufe haben die ethische Verpflichtung übernommen, die Gesundheit der Menschen zu schützen. Gleichzeitig genießen sie in der Öffentlichkeit besonderes Vertrauen. Sie sind deshalb wichtige Vermittler*innen zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit.

KLUG versteht sich als Impuls- und Ideengeber, als Vernetzer und Vermittler. Die Allianz ist ein Netzwerk von Akteur*innen aus allen Sektoren des Gesundheitswesens und darüber hinaus, die sich im Bereich Klimawandel und Gesundheit engagieren wollen. Im Sommer 2019 wurde als Spin-Off die Initiative „Health for Future“ als Aktionsplattform für Mahnwachen und Klimastreiks gegründet.

Ziel es ist, den Klimawandel als wichtiges Gesundheitsthema zu etablieren und politische und gesellschaftliche Veränderungen anzustoßen, um dieser Gefahr effektiv zu begegnen.

Als Gesundheitsakteur*innen fühlen wir uns zum Handeln verpflichtet, um die weitere Erderwärmung auf 1,5° C zu begrenzen. Uns vereint die Sorge um eine lebenswerte, gesunde Zukunft für nachfolgende Generationen. Klimaschutz ist zugleich Gesundheitsschutz.

Klimawandel als große gesundheitliche Herausforderung

Der menschengemachte Klimawandel hat schon heute gravierende Auswirkungen auf das Leben und die Gesundheit von Millionen Menschen weltweit [1].

Nach Einschätzung des Weltklimarats [2] führt der Klimawandel zu häufigeren und stärkeren Wetterextremen, welche direkte Konsequenzen für die körperliche und psychische Gesundheit haben (z.B. Verletzungen, Hitzestress, Atemwegs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen). Zudem kommt es zu zahlreichen indirekten Effekten, insbesondere zu Mangelernährung und Hunger, Durchfallerkrankungen, gehäuften und stärkeren Allergiebeschwerden sowie der Ausbreitung von Infektionskrankheiten. Klimawandel ist eine Mitursache von Instabilität, Migration und gewalttätigen Konflikten – mit weitreichenden Folgen auch für die Gesundheit.

Diese Probleme werden mit weiterer Erderwärmung drastisch zunehmen und ohne Gegenmaßnahmen ein unkontrollierbares Ausmaß erreichen. Fortschritte in der globalen Gesundheit in den letzten Jahrzehnten wie bei der Bekämpfung von Infektionskrankheiten, Mangelernährung und Armut sind durch den Klimawandel massiv gefährdet. [3] Dies gilt ebenso für die gesundheitsbezogenen Ziele der UN-Nachhaltigkeitsagenda 2030.

Die Auswirkungen des bisher ungebremsten Klimawandels betreffen uns alle, vor allem aber die verletzlichsten Gruppen der Bevölkerung und jene Länder mit niedrigen und mittleren Einkommen, die am wenigsten zum Klimawandel beigetragen haben. Der Klimawandel berührt somit auch Fragen globaler Gerechtigkeit.

Gesundheitschancen durch Klimaschutz

Unser Lebensstil, die Art wie wir Energie erzeugen, wie wir produzieren und konsumieren, uns ernähren und unsere Mobilität gestalten, beeinflusst nicht nur unsere Gesundheit, sondern auch unseren Treibhausgasausstoß. Viele sogenannte Zivilisationskrankheiten, die in den meisten Ländern den Hauptteil der Krankheitslast ausmachen, gehen somit auf dieselben Ursachen zurück wie der Klimawandel. Allein die Luftverschmutzung, welche maßgeblich durch das Verbrennen fossiler Brennstoffe bedingt ist, führt jährlich zu etwa sieben Millionen vorzeitigen Todesfällen weltweit. [4]

Daher bedeutet die Umstellung unserer Wirtschaft und Gesellschaft auf eine neutrale Treibhausgasbilanz gleichzeitig eine große Chance für die Prävention von Krankheiten. So sind durch vermehrte körperliche Aktivität, eine ausgewogenere, fleischarme Ernährung, eine verbesserte Luftqualität und grünere Städte eine Reduktion vieler Zivilisationskrankheiten wie Herz-Kreislauf-, Atemwegs- und Krebserkrankungen sowie Diabetes und Übergewicht zu erwarten [5], einschließlich Entlastungen bei entsprechenden gesundheitlichen und wirtschaftlichen Folgekosten.

Internationale Einbettung

Wir sind inspiriert durch eine steigende Zahl an Initiativen und Bündnissen von Gesundheitsakteur*innen aus aller Welt [6]. Große wissenschaftliche Fachgesellschaften und andere Organisationen im Gesundheitsbereich, renommierte medizinische Fachjournale wie auch Einzelpersonen verweisen seit Jahren auf die Gefahren des Klimawandels für die Gesundheit und engagieren sich zu diesem Thema. [7]

Ziele

Die Umsetzung der deutschen und internationalen Klimaziele ist von höchster Wichtigkeit. Im Pariser Abkommen [8] wurde vereinbart, bis 2050 eine nahezu neutrale Treibhausgasbilanz zu erreichen, damit die globale Erwärmung auf unter 2 Grad Celsius begrenzt bleibt. Um den dazu notwendigen, weitgehenden Verzicht auf fossile Energieträger zu erreichen, benötigen wir entschlossenes politisches Handeln und die Einbeziehung aller gesellschaftlichen Akteur*innen. Hierzu wollen wir einen Beitrag leisten, indem wir …

… die Öffentlichkeit sowie Vertreter von Politik und Wirtschaft über die Gefahren des Klimawandels für die Gesundheit aufklären, Handlungsempfehlungen zum Schutz der menschlichen Gesundheit geben und uns in relevante politische Prozesse einbringen;

… weitere Angehörige des Gesundheitssektors über den Klimawandel informieren, und sie ermutigen und befähigen, wirksame Antworten zu entwickeln;

… die eigene Treibhausgasbilanz thematisieren und darauf hinwirken, dass Einrichtungen der Gesundheitsversorgung und Organisationen der Gesundheitsberufe ihren eigenen ökologischen Fußabdruck deutlich verringern [9] und den Weg zu einem klimaneutralen Gesundheitssektor definieren. Des Weiteren rufen wir sie dazu auf, etwaige finanzielle Beteiligungen an der fossilen Brennstoffindustrie zu beenden; [10]

… dazu beitragen die Aus- und Weiterbildung zum Thema Klimawandel und Gesundheit in allen Gesundheitsberufen zu verankern;

… uns für die Förderung von Forschung und Bildung zu Klimawandel und Gesundheit, sowie eine Stärkung der Gesundheitsdienste einsetzen, damit diese den Auswirkungen des Klimawandels wirksam begegnen können;

… uns dafür stark machen, dass bei allen Klimaschutzmaßnahmen Aspekte öffentlicher Gesundheit einbezogen und die gesundheitlichen Folgen und Vorteile abgeschätzt werden, einschließlich ökonomischer Aspekte.