Lungenärzte fordern gesellschaftliches Umdenken in Sachen Luftverschmutzung

Am 27.11. veröffentlichte die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) ihr Positionspapier Atmen: Luftschadstoffe und Gesundheit (50 Seiten), an dem 9 ausgewiesene Experten mitgewirkt haben. Die Luftverschmutzung ist nach der WHO das größte umweltbedingte Risiko für die Gesundheit. Die Feinstaubbelastung durch Landwirtschaft, Industrie und Verkehr führe zu 600 000 verlorenen Lebensjahren für die deutsche Bevölkerung. „Selbst wenn die gemessenen Effekte relativ klein seien, haben wir es doch mit einem enormen Gesundheitsproblem zu tun, das praktisch jeden einzelnen Bürger betrifft und dem sich niemand entziehen kann“ (so einer der Autoren). Bei Grenzwerten für Luftschadstoffe, wie sie die WHO empfiehlt – welche für Feinstaub nur halb so hoch sind wie die in der EU gültigen – könnte Studien zufolge jede(r) Stadtbewohner*in im Durchschnitt 6 Monate länger leben.

Die DGP sieht vorrangig die Regierungen von Bund, Ländern und Kommunen in der Pflicht, Maßnahmen zur Verbesserung der Luftqualität zu ergreifen. Aber nötig sei auch ein gesellschaftliches Umdenken in Politik, Industrie und der Bevölkerung, um eine Kultur der Schadstoffvermeidung zu entwickeln.

Als Maßnahmen werden genannt: Die Förderung alternativer Mobilität zum PKW wie der Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs, die Schaffung der Voraussetzungen für eine umfassende Fahrradmobilität, die Förderung von Elektromobilität und Carsharing-Modellen und „durchaus auch Fahrverbote“. Investitionen in die Entwicklung „sauberer“ Technologien für Energieproduktion, Industrie und Landwirtschaft. Auch die Bürgerinnen und Bürger müssten die Nachfrage und den Bedarf an modernen Technologien klar signalisieren und so den Gesamtprozess positiv beeinflussen. Die Änderung unseres Mobilitätsverhaltens sei ein Schlüsselfaktor zur Reduktion der Schadstoffbelastung.

Das Positionspapier ist wohl die wissenschaftliche Expertise zum Thema Luftschadstoffe in Deutschland. Es geht auf die diversen Luftschadstoffe, deren – soweit bekannten – Wirkungsmechanismen und Folgen für die einzelnen Organsysteme ein.

Die genannten Maßnahmen dienen gleichzeitig auch dem Klimaschutz – sind also von doppeltem Vorteil.

Zum Weiterlesen:

Pressemitteilung der DGP vom 27. November 2018 (PDF)

Atmen: Luftschadstoffe und Gesundheit – Positionspapier der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e.V. (DGP) (AutorInnen: Holger Schulz, Stefan Karrasch, Georg Bölke, Josef Cyrys, Claudia Hornberg, Regina Pickford, Alexandra Schneider, Christian Witt, Barbara Hoffmann)

Damian Carrington: Air pollution: everything you should know about a public health emergency. The Guardian, 5.11.2018.