BMJ: Der Aktivismus der Schüler*innen ist eine Lektion für die Gesundheitsberufe. Britische Ärzte unterstützen Fridays for Future und Extinction Rebellion.

Derzeit melden sich weltweit Stimmen aus dem Gesundheitsbereich zu Wort und unterstützen die Schülerproteste und auch die Gruppe Extinction Rebellion. Letztere ruft angesichts der existenziellen Bedrohung durch Klimakrise und Artensterben zu massenhaften gewaltfreien Aktionen zivilen Ungehorsam auf. Hier drei bemerkenswerte Stellungnahmen der letzten zwei Wochen, alle aus Großbritannien.

Ein Editorial des British Medical Journal (BMJ) zieht klar Position zu den Aktionen von FridaysForFuture und Extinction Rebellion. Wie diese, müssten wir uns unermüdlich für Klimaneutralität bis 2030 einsetzen. Zu den vier Autoren gehören die jetzige Chefredakteurin Fiona Godlee und der frühere langjährige Chefredakteur des BMJ Richard Smith. Das BMJ zählt zu den angesehensten medizinischen Fachjournalen weltweit.

Die Angehörigen der Gesundheitsberufe und ihre Organisationen müssten von den Aktionen der Schüler*innen lernen und sie unterstützen und wirksamere Mittel und Wege finden, damit die Menschen und die Politiker verstünden, das der Klimawandel die bisher bei weitem größte Bedrohung für die Gesundheit ist. Unter Bezug auf Greta Thunbergs Rolle bei der Auslösung der weltweiten Schüler- und Jugendproteste zitieren die Autoren die Anthropologin Margaret Mead: „Zweifele nie daran, dass eine kleine Gruppe engagierter Bürger die Welt verändern kann, tatsächlich ist es die einzige Art und Weise, in der die Welt jemals verändert wurde.“

Sie sprechen vom Wahndenken in unserem Umgang mit der Klimakrise und verweisen dabei auf das, was der Journalist David Wallace-Wells in seinem Buch „The Unhabitable World“ (Die unbewohnbare Erde) eine „Anthologie beruhigender Wahnvorstellungen“ genannt hat: dass die Erderwärmung eine Geschichte der Arktis sei, die sich fernab von uns abspiele, dass sie nur den Meeresspiegel und die Küsten beträfe und es sich nicht um eine umfassende Krise handele, die keinen Ort ausspare und kein Leben unverändert lasse, dass es eine Krise der „natürlichen“ Welt sei, und nicht eine des Menschen; dass Mensch und Natur voneinander getrennt seien und wir heute irgendwie außerhalb oder jenseits der Natur lebten oder zumindest geschützt vor ihr; statt anzuerkennen, dass wir unausweichlich Teil der Natur seien, buchstäblich von ihr überwältigt.

Trotz der zunehmend bedrohlichen Warnungen der letzten 30 Jahre habe kein Land so reagiert wie es erforderlich sei. Wir stritten weiter über den Brexit, legten den Schwerpunkt auf die Behandlung von Krankheiten statt auf Prävention, planten neue Flughäfen, seien kreativ, gingen zur Arbeit und zögen unsere Kinder groß als würde nichts geschehen.

Mit dem beharrlichen Protest, so die Autoren, hätten Greta Thunberg und andere Schulkinder weltweit ein Engagement gezeigt, der anderen Gruppen, die Gesundheitsberufe eingeschlossen, nicht gelungen sei. Das Engagement der Gesundheitsberufe in dieser Frage sei trotz der Bemühungen des Lancet Countdown, der UK Health and Climate Alliance und anderer Initiativen bisher uneinheitlich, sporadisch und mit gedämpfter Stimme gewesen. Die Klimakrise sei aber eine unmittelbare Bedrohung der Gesundheit und nicht eine entfernte ökologische Unbequemlichkeit.

Jetzt sei die Zeit für die Gesundheitsfachkräfte gekommen, die Forderungen der Schulkinder sowie der Aktivisten der Extinction Rebellion zu teilen: darauf zu bestehen, dass die Regierungen die Wahrheit in Bezug auf den Klimawandel sagten, den Umwelt- und Klimanotstand erklärten und rasch handelten, damit der Verlust der Artenvielfalt gestoppt und die Klimagase bis zum Jahre 2030 auf Netto Null reduziert werden.

Um dies zu ermöglichen, rufen die Autoren die Regierungen auf, Bürgerversammlungen für Klimawandel und ökologische Gerechtigkeit zu schaffen und die Gesundheitsfachkräfte dazu, nur solche Vertreter*innen zu wählen, die den Klimawandel als ihre prioritäre Aufgabe ansehen.

Literatur

Robin Stott, Richard Smith, Rowan Williams, Fiona Godlee: Schoolchildren’s activism is a lesson for health professionals. BMJ 2019; 365:l1938

Doctors and the Cancer of Climate Change. An open letter endorsing Non Violent Direct Action. (Ein internationaler Aufruf, den inzwischen etwa 1000 Ärzt*innen unterzeichnet haben.)

Open letter: Doctors in Support of Youth Strike for Climate.