Call to Action 2018

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Zusammenfassung

EIN AUFRUF ZUM HANDELN

FÜR KLIMA UND GESUNDHEIT

2018

Der Klimawandel ist eine globale medizinische Krise. Er hat Auswirkungen auf die öffentliche Gesundheit. Eine wachsende Zahl von Gesundheitsorganisationen weltweit setzt sich aktiv für Klimaschutz ein – von der Betreuung von Gemeinden, die von klimabezogenen Gefahren betroffen sind, der Reaktion auf medizinische Notfälle bis hin zu ambitionierten Maßnahmen, den CO-2 Fußabdruck unserer Gesundheitssysteme zu verringern. Wir müssen aber mehr tun.

Angesichts global beispielloser Hitzeperioden, Dürren, Brände und Stürme ist jetzt ein entscheidender Augenblick für Führungspersonen weltweit, ihre Verpflichtungen zum Klimaschutz zu erhöhen. Um die UN-Nachhaltigkeitsziele sowie das Paris Abkommen einzuhalten, muss die Weltgemeinschaft ihre Anstrengungen beschleunigen, um unsere Gesundheit sowie die zukünftiger Generationen zu schützen. Wir rufen unsere Kolleginnen und Kollegen im Gesundheitssektor und die Führungskräfte aller Sektoren und auf allen Regierungsebenen jetzt zu Handeln auf, um die Gesundheit der Menschen in einer gesunden Umgebung und auf einem gesunden Planeten zu fördern.

Der Klimawandel droht jahrzehntelange Fortschritte in Gesundheit und Entwicklung zunichte zu machen und ist die größte Herausforderung für die globale Gesundheit des 21. Jahrhunderts. i ii Extreme Hitze- und Wetterereignisse sind die Ursache von Tausenden Todesfällen und der Vertreibung von mehr als 200 Millionen Menschen zwischen 2008 und 2015; die Luftverschmutzung, deren primärer Treiber – die Verbrennung fossiler Brennstoffe – auch der primäre Treiber des Klimawandels ist, verursachte 2016 über 7 Millionen Tote. Vektor-übertragene Krankheiten breiten sich auf neue Gegenden aus. Die Agrar-, Nahrungs-, und Wassersysteme, von denen unser Überleben abhängen, sind gefährdet und die Häufigkeit und Schwere von Dürren, Überflutungen und Waldbränden nimmt zu. iii iv v vi

Ohne transformatives Handeln wird sich der Klimawandel stark beschleunigen und zu mehr Erkrankungen, Verletzungen und Todesfällen, Massenmigration und der Zunahme gesundheitlicher Ungleichheit führen. Nationen und Gemeinschaften mit den geringsten Ressourcen, den schwächsten Gesundheitssystemen und oft der geringsten Verantwortung für den Klimawandel sind am stärksten betroffen und werden mit fortschreitendem Klimawandel potenziell unbeherrschbaren Belastungen ausgesetzt sein. Ohne eine bedeutsame Reduktion von CO-2 Emissionen und kurzlebigen Klimaschadstoffen sehen wir uns mit der zunehmenden Gefahr rapider Umweltveränderungen konfrontiert, die die Fähigkeit menschlicher Anpassung überschreiten könnten. vii Oder wie es UN Generalsekretär António Guterres ausdrückte: Der Klimawandel stellt „eine existenzielle Bedrohung der Menschheit“ dar. viii

Klimaschutz kann die Gesundheit substanziell verbessern. Viele Klimaschutzmaßnahmen haben einen nachweisbaren und signifikanten gesundheitlichen Nutzen. Durch Klimaschutz-Maßnahmen unter anderem in den Sektoren Energie, Verkehr, Landnutzung und Landwirtschaft können Millionen vermeidbarer Todesfälle/Jahr verhindert werden. ixDer Wechsel hin zu erneuerbaren Energien, nachhaltiger Nahrungsproduktion und Ernährungsweisen, aktivem Transport und grünen Städten senkt die Klimaschadstoffe und reduziert gleichzeitig die Häufigkeit übertragbarer und nicht übertragbarer Erkrankungen, verbessert die seelische Gesundheit und führt zu einer signifikanten Kosteneinsparung im Gesundheitswesen.

Klimaschutz bietet einen Weg zu nachhaltiger und gesunder Entwicklung für alle. Alle Länder haben eine gemeinsame, aber sehr ungleiche Verantwortung für die Verursachung des Klimawandels, sowie unterschiedliche Fähigkeiten, mit dessen Folgen umzugehen. Um ihre Entwicklungs- und Gesundheitsziele zu erfüllen, müssen viele Länder mit niedrigen und mittleren Einkommen in die Erweiterung ihrer Energieerzeugungskapazitäten investieren und sich gleichzeitig dem veränderten Klima anpassen. Reiche Länder und diejenigen, welche historisch für die meisten CO2-Emissionen verantwortlich sind, müssen bei der Reduktion ihrer Emissionen die Führung übernehmen und sowohl den Übergang zu sauberer Energie als auch Anpassungsinitiativen auf globaler Ebene unterstützen. Die vorrangige Berücksichtigung von Gesundheit in der Klima- und Energiepolitik kann zu einer nachhaltigen Entwicklung und einer größeren globalen Gerechtigkeit beitragen.

Indem wir den Klimaschutz für die Gesundheit und den Gesundheitssektor für den Klimaschutz mobilisieren, können Gesundheitsfachkräfte und Gesundheitsorganisationen bei der Erreichung von Emissionsreduktions-Zielen sowie beim Aufbau gesunder Gemeinschaften, die gegenüber den Gefahren des Klimas resilient sind, die Führung übernehmen. Wir müssen proaktiv die Verwundbarsten unter uns schützen – Kinder und Frauen, die Armen, benachteiligte Menschen aller Rassen und Ethnien, alte Menschen und Menschen mit Behinderung und chronischen Erkrankungen.

Als führende Gesundheitsfachkräfte und Organisationen aus aller Welt rufen wir lokale, nationale und globale Entscheidungsträger dazu auf, jetzt zu handeln, um die Treibhausgasemissionen drastisch zu reduzieren und die Widerstandsfähigkeit gegen Klimarisiken zu stärken.

Wir rufen auch die Bürgerinnen und Bürger aller Nationen auf, ihre Regierungen in die Pflicht zu nehmen und eine entschiedene Reaktion einzufordern. Mit den richtigen Politikansätzen und Investitionen heute, haben wir die Chance, unsere Vision von gesunden Menschen in einer gesunden Umwelt auf einem gesunden Planeten zu verwirklichen. Die unten aufgeführten zehn vorrangigen Maßnahmen sind dringende und wesentliche Schritte, um die Gesundheit zu schützen und menschliches Wohlergehen in Zeiten des Klimawandels zu sichern.

KLIMASCHUTZ(MAßNAHMEN) FÜR DIE GESUNDHEIT

Wenn wir Gesundheit zu einem wesentlichen Teil der Klimapolitik auf allen Ebenen und in allen Sektoren machen, bietet das eine große Chance, die Unterstützung für den Klimaschutz zu stärken, Klimalösungen voranzubringen und ambitionierte Gesundheitszeile durch Win- Win Strategien zu erreichen, welche Klimagerechtigkeit und gesundheitliche Chancengleichheit fördern.

VORRANGIGE MAßNAHMEN

1. Die Verpflichtungen des Pariser Klimaabkommens einhalten und verstärken.

Eine umfangreiche und schnelle Reduktion der Kohlestoffemissionen ist entscheidend für unsere Gesundheit und die zukünftiger Generationen. Alle Nationen müssen ihre Verpflichtungen des Pariser Abkommens einhalten und übertreffen sowie diese Verpflichtungen in den kommenden Verhandlungen ausbauen. Regierungen unterhalb der nationalen Ebene, Unternehmen und Zivilgesellschaft müssen aktiv zu einer radikalen Emissionsminderung – ausreichend für die Begrenzung der Erderwärmung auf 1.5 Grad über dem vorindustriellen Niveau – beitragen und dies unterstützen.

2. Ein Wechsel weg von der Nutzung von Kohle, Öl und Gas hin zu sauberer, sicherer und erneuerbaren Energie. Mit der heute verfügbaren Technologie können wir unsere Energienutzung und unser Energiesystem grundlegend ändern, um einen steigenden Energiebedarf erschwinglich abzudecken und dabei Treibhausgasemissionen und Luftverschmutzung reduzieren. Zentrale Maßnahmen beinhalten:

  • Ehrgeizige Ziele setzen für erneuerbare Energien, Energieeffizienz und Energieeinsparung bei der Elektrizitätserzeugung, in Energiesystemen und bei Gebäuden. Mechanismen etablieren, um die Fortschritte zu überwachen und die Zielerreichung durchzusetzen.

  • Investitionen in und Subventionen für die fossile Energieerzeugung beenden. Den Übergang hin zu Technologien und einer Infrastruktur finanzieren, die für die Entwicklung, die Anpassung und den Ausbau erneuerbarer Energien und für Investitionen in Energieeffizienz erforderlich sind.

  • Sicherstellen, dass die Klimapolitik den Zugang zu Energie und nachhaltiger Energie für alle unterstützt, indem sie dezentrale erneuerbare Energietechnologien in energiearmen Regionen fördert und Länder befähigt, den Energiebedarf für ihre Entwicklung abzudecken.

  • Den Gesundheitsnutzen durch Reduktion herkömmlicher Luftschadstoffe, einhergehend mit der Minderung der Kohlenstoffemissionen, maximieren, um Klimagerechtigkeit und gesundheitliche Chancengleichheit zu gewährleisten.

3. Übergang zu einem kohlestofffreien Verkehrssystem mit einem Schwerpunkt auf dem aktiven Transport. Indem wir unser Verkehrssystem von einem auf fossilen Brennstoffen zentrierten Modell zu einem auf erneuerbare Energien und Gesundheit basierten Model ausrichten, können wir Luftverschmutzung und Kohlenstoff-Emissionen erheblich reduzieren. Der Wechsel von Autofahren zu aktiven Formen der Fortbewegung – Fuß-, Fahrrad- und öffentlicher Personennahverkehr – kann die Häufigkeit nicht-übertragbarer Erkrankungen und Verletzungen deutlich senken.x Zentrale Maßnahmen beinhalten:

  • Erhöhung der Ausgaben für Infrastruktur und Pläne, die sicheren Fuß- und Radverkehr fördern.

  • Erhöhung der Ausgaben für Infrastruktur, Erhalt und Betrieb eines bezahlbaren, zugänglichen und komfortablen öffentlichen Personennahverkehrs.

  • Ambitionierte Ziele und kreative Anreize für eine Effizienzsteigerung des Kraftstoffverbrauchs setzen, sowie den Ersatz von Benzin- und Dieselfahrzeugen durch emissionsfreie Fahrzeuge mit Verwendung von erneuerbaren Energiequellen.

4. Der Aufbau lokaler, gesunder und nachhaltiger Nahrungsmittel- und Landwirtschaftssysteme. Wenn wir ändern, was wir essen und wie wir unsere Nahrungsmittel anbauen, ernten und transportieren, können wir unsere Gesundheit schützen und unseren Kohlenstoff-Fußabdruck verringern. Verfahren, die unseren Boden erhalten und erneuern, und unser Wasser und unsere Fischgründe erhalten sind angesichts der Klimafolgen wichtig für unsere Nahrungsmittelzufuhr. Der Aufbau resilienter regionaler Nahrungsmittelsysteme unterstützt die Existenzgrundlage landwirtschaftlicher Betriebe, erweitert den Zugang zu gesunden Nahrungsmitteln und reduziert Kohlenstoffemissionen. Zentrale Maßnahmen beinhalten:

  • Reduzierung des Verzehrs und der Produktion von Fleisch und die Ausweitung pflanzlicher Ernährung.

  • Die Verringerung der Lebensmittelabfälle.

  • Die Beendigung der Entwaldung zur Expansion der industriellen Landwirtschaft.

  • Die Förderung einer Politik – per Gesetzgebung, Handel und Finanzierung -, die eine nachhaltige agrarökologische Landwirtschaft begünstigt und ermöglicht, und welche die Abhängigkeit von einer industriellen – auf Viehhaltung beruhenden – Landwirtschaft, sowie von umweltschädigenden Praktiken in Landwirtschaft und Fischerei, reduziert.

5. Investitionen in politische Maßnahmen zur Unterstützung eines gerechten Übergangs für Arbeiter*innen und Gemeinden, welche durch die Transformation zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft Nachteile haben. Nachhaltige und gerechte Klimalösungen müssen ökonomische Stabilität und die Sicherheit der Energieversorgung für alle bereit stellen und faire Arbeitsbedingungen und wirtschaftliche Perspektiven für Arbeiter*innen und Gemeinden ermöglichen, die noch auf die fossile Energiewirtschaft angewiesen sind. Investitionen in eine kohlenstoffarme Wirtschaft und in benachteiligte Gemeinden können dazu beitragen, von einem ungesunden Energiesystem abzurücken und zu geteiltem Wohlstand zu kommen.xi xii xiii Zentrale Maßnahmen beinhalten:

  • Die Gesundheitsauswirkungen des Abbaus fossiler Rohstoffe auf gefährdete Bevölkerungsgruppen, einschließlich ländlicher, entlegener und indigener Gemeinden aufzeigen und angehen.
  • Betroffene Arbeiter*innen und Gemeinschaften in Klima- und Energiepolitk einbeziehen.
  • Soziale Absicherung speziell für die von Klimaschutzmaßnahmen betroffenen Beschäftigten und Gemeinden durch Investitionen in „grüne Jobs“ sowie in Programme, welche den Übergang in gute Arbeitsstellen in einer „Green Economy“ unterstützen.

6. Die Berücksichtigung von Geschlechtergerechtigkeit bei Klimaschutz und -anpassung ist von zentraler Bedeutung. Frauen sind in besonderem Ausmaß von Armut betroffen, stärker durch die Auswirkungen des Klimawandels gefährdet, und haben weniger Zugang zu politischen, wirtschaftlichen, und sozialen Ressourcen, die sie dazu befähigen, die Bedrohungen durch den Klimawandel zu bewältigen. xiv xv xvi Die Klimapolitik muss darauf entsprechend reagieren. Zentrale Maßnahmen beinhalten:

  • Frauen proaktiv in die Entwicklung und Umsetzung von Klimalösungen miteinbeziehen.
  • Geschlechterfragen, Überlegungen zur Geschlechterungleichheit und Geschlechtervulnerabilität in allen politischen Maßnahmen zu Klimawandel und Gesundheit berücksichtigen.
  • Sicherstellen, dass Frauen und Mädchen Zugang haben zu finanziellen Mitteln, Ausbildung und anderen Ressourcen zur Klimaanpassung und -resilienz.

DER GESUNDHEITSSEKTOR ENGAGIERT SICH FÜR KLIMASCHUTZ

Gesundheitsexperten und Gesundheitsorganisationen müssen eine führende Rolle im Umgang mit dem Klimawandel einnehmen. Wir setzen uns dafür ein – und rufen unsere Kolleginnen und Kollegen im Gesundheitsbereich auf, sich hierzu zu engagieren – schnell und energisch Treibhausgasemissionen von Gesundheitseinrichtungen zu reduzieren; die Klimaanpassungsfähigkeit durch die Berücksichtigung von Klimaaspekten im Gesundheitswesen, -politik, -programmen, und -investitionen zu verbessern; sowie proaktiv auf die Gesundheitsgefährdung durch den Klimawandel und den gesundheitlichen Nutzen von Klimaschutzmaßnahmen hinzuweisen.

VORRANGIGE MAßNAHMEN

7. Beteiligung des Gesundheitssektors bei Maßnahmen gegen den Klimawandel. Der erfolgreiche Umgang mit dem Klimawandel erfordert, dass der Gesundheitssektor proaktiv mit starkem und anhaltendem Engagement in Austausch mit Politiker*innen und der Öffentlichkeit tritt. Zentrale Maßnahmen beinhalten:

  • Durch lokale und nationale Bildungskampagnen das Bewusstsein für die gesundheitlichen Auswirkungen des Klimawandels und die gesundheitlichen Vorteile des Klimaschutzes stärken.
  • Sich zu Klimawandel und Gesundheit zu Wort melden und sich bei regionalen und nationalen Politiker*innen für gesunde Klimalösungen einsetzen.
  • Durch die Integration des Themas Klimawandel in die Lehrpläne von Public Health, Umweltmedizin, der medizinischen Aus- und Weiterbildung und anderer Gesundheitsberufe sicherstellen, dass Gesundheitsexperten über das Wissen verfügen und geschult sind, sowohl Patient*innen als auch Politiker*innen effektiv über das Thema Klimawandel und Gesundheit zu informieren.

8. Klimaschutz in das Gesundheitswesen integrieren. Krankenhäuser, andere Einrichtungen des Gesundheitssektors und Gesundheitsorganisationen können mit gutem Beispiel vorangehen und eine klimafreundliche Gesundheitsversorgung einführen, ihre CO2-Bilanz reduzieren, die Anpassungsfähigkeit ihrer Einrichtungen an den Klimawandel erhöhen, und ihren ökonomischen Einfluss dazu nutzen, die Lieferketten zu dekarbonisieren und eine gerechte, regionale Wirtschaftsentwicklung zu fördern. Zentrale Maßnahmen beinhalten:

  • Die Emissionen des Gesundheitssektors in Übereinstimmung mit dem Pariser Klimaabkommen reduzieren.
  • Kohlenstoffarme Behandlungswege und -modelle entwickeln, die gemeindebasierte Maßnahmen einbeziehen, welche die sozialen Bedingungen von Gesundheit berücksichtigen, und die dazu beitragen, den Bedarf an umweltschädlicher Akutversorgung und klinischen Behandlungen zu reduzieren.
  • Energieeffizienz implementieren, erneuerbare Energien einsetzen, nachhaltige Praktiken im Umgang mit Wasser, Transport, Nahrungsmittel, Narkosegasen und Abfall entwickeln.
  • Kohlenstoffarme Produktionsanlagen, Lieferketten und Beschaffungssysteme für Gesundheitsprodukte aufbauen, Produkte von regionalen ökologisch nachhaltigen Wirtschaftsinitiativen beziehen und in solche Initiativen investieren, welche die Gesundheit in der Gemeinde fördern.
  • In die Anpassungsfähigkeit der Gesundheitseinrichtungen an Extremwetterereignisse investieren, und bei deren Bau und Standortwahl die unter dem Gesichtspunkt der Nachhaltigkeit optimale Lösung wählen.

9. Resiliente Gemeinden aufbauen. Der Klimawandel ist ein weltweites Phänomen, aber letztlich sind es die Menschen und Gemeinden auf lokaler Ebene, welche seine Konsequenzen erfahren. Aktivitäten zu Klima und Gesundheit werden am effektivsten sein, wenn diejenigen, die am stärksten betroffen sind, die Stimme, Stärke und Fähigkeit haben, um als vollwertige Partner beim Aufbau einer gesunden, gerechten und klima-resilienten Zukunft beteiligt zu sein. Gesundheitsexperten, -systeme und -organisationen müssen Gemeinden dabei unterstützen, sich auf den Klimawandel vorzubereiten, darauf zu reagieren und sich daran anzupassen. Zentrale Maßnahmen beinhalten:

  • In starke und gerechte Gesundheitssysteme investieren – dies ist ein wesentlicher Schritt bei der Reduzierung der gesundheitlichen Klimafolgen.
  • Die gesundheitlichen Folgen des Klimawandels, der Klimavulnerabilität und des gesundheitlichen Nutzens von Klimaschutzmaßnahmen auf Gemeindeebene einschätzen und überwachen.
  • Den sozialen Zusammenhalt und die Befähigung der maßgeblichen Gesundheits- und Gemeindeorganisationen beim Umgang mit den Klimagefahren fördern, damit deren Funktionsfähigkeit während klimabedingten Katastrophen aufrechterhalten bzw. danach schnell wieder hergestellt werden kann.
  • Risikoeinschätzungen klimabedingter Gesundheitsgefahren auf nationaler, Landes- und lokaler Ebene einführen und finanzieren, desgleichen den Ausbau von Krankheitsüberwachungssystemen, von Forschung und Frühwarnsystemen, welche eine wirksame Reaktion auf Bedrohungen durch den Klimawandel ermöglichen. Alle Daten sollten öffentlich verfügbar sein.
  • Betonung naturbasierter Lösungen und die Wiederherstellung von Ökosystemdienstleistungen, welche die Gesundheit und Resilienz der Gemeinde fördern.
  • Klima-, Gesundheits- und Gerechtigkeitsaspekte bei Flächennutzungsplänen und Infrastrukturstandards berücksichtigen, um Klimaresilienz zu gewährleisten.

FINANZIERUNG VON KLIMASCHUTZ FÜR DIE GESUNDHEIT UND VON AKTIVITÄTEN DES GESUNDHEITSSEKTORS FÜR DAS KLIMA

Die Umsetzung dieser Empfehlungen und das Erreichen globaler Ziele für Gesundheit, Klima und nachhaltige Entwicklung setzt größere finanzielle Investitionen voraus. Aktuelle Investitionen in Klimaschutzmaßnahmen greifen viel zu kurz in Bezug auf den Gesundheitsschutz. Und aktuelle Investitionen in die Gesundheit berücksichtigen Überlegungen zum Klima zu wenig.

VORRANGIGE MAßNAHMEN

10 In Klimaschutz und Gesundheit investieren. Entwicklungsagenturen, multilaterale Organisationen, Regierungen, Zivilgesellschaft und Wirtschaft müssen ihre Investitionen in gesunde und gerechte Klimalösungen, klimafreundliche Gesundheitssysteme, Klimaanpassung und Resilienz von Gemeinschaften, sowie Forschung zu Klimawandel und Gesundheit ausweiten.

Zusammengenommen stellen diese zehn Politikempfehlungen einen Aktionsplan dar, den Regierungen und Gemeinden weltweit bei der Entwicklung umfassender und aufeinander abgestimmter Strategien beim Kampf gegen den Klimawandel und für die Gesundheit nutzen können.

Als Ärztinnen und Ärzte, Krankenschwestern und -pfleger, Mitarbeiter*innen in Krankenhäusern und der Gesundheitsversorgung, als Mitarbeiter*innen in öffentlichen Gesundheitsdiensten und in der Umweltgesundheit sowie als Angehörige anderer Gesundheitsberufe, widmen wir unser Leben der Verbesserung der Gesundheit unserer Gemeinden. Wir sind davon überzeugt, dass alle Menschen und zukünftige Generationen das Recht auf die ökologischen, wirtschaftlichen und sozialen Ressourcen haben, die nötig sind, um ein gesundes und produktives Leben zu führen. Wir stellen uns verstärkt der Herausforderung, einen Gesundheitssektor aufzubauen, der klimafreundlich ist und die Anpassungsfähigkeit von Gemeinden unterstützt. Daher rufen wir auch die Verantwortlichen in allen Sektoren und auf allen Regierungsebenen auf, jetzt zu handeln, um den Klimawandel umzukehren und den Menschen ein gesundes Leben auf einem gesunden Planeten zu sichern.

Literatur

xvi http://www.undp.org/content/dam/undp/library/gender/Gender%20and%20Environment/PB1-AP-Overview-Gender-and-climate-change.pdf

 

ERSTUNTERZEICHNER

INTERNATIONAL

C3 Collaborating for Health (Global)

Canadian Association of Physicians for the Environment

Canadian Association of Nurses for Health and the Environment

Climate and Health Alliance of Australia

Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit

Doctors for the Environment Australia

Global Climate and Health Alliance (Global)

Health and Environment Alliance (Global)

Health Care Without Harm (Global)

Instituto Scientifico Biomedico Euro Mediterraneo (Italien)

International Federation of Medical Student Associations (Global)

NCD Alliance (Global)

OraTaiao NZ Climate & Health Council (Neuseeland)

Public Health Foundation of India

Regional Institute of Health, Medicine and Research (Indien)

UK Climate and Health Council

UK Health Alliance on Climate Change

World Federation of Public Health Associations (Global)

USA

Academy of Integrative Health and Medicine

Alliance of Nurses for Healthy Environments

American Academy of Allergy, Asthma and Immunology

American Academy of Family Physicians

American Academy of Pediatrics

American College of Emergency Physicians, California

American College of Physicians

American College of Preventive Medicine

American Lung Association

American Medical Women’s Association

American Public Health Association

Asthma and Allergy Foundation of America

California Conference of Directors of Environmental Health

California Department of Public Health

Citizens’ Climate Lobby Health Team

Climate for Health, ecoAmerica

Climate Psychiatry Alliance

Dignity Health

Florida Clinicians for Climate Action

Florida State Medical Association

Health Professionals for a Healthy Climate (Minnesota)

James Wilson Bridges MD Medical Society (Florida)

James Sistrunk Medical Society (Florida)

Kaiser Permanente

Medical Advocates for Healthy Air (North Carolina)

Medical Society Consortium on Climate and Health

Minneapolis Health Department (Minnesota)

Mom’s Clean Air Force

Multnomah County Health Department (Oregon)

National Environmental Health Association

National Medical Association

Ohio Clinicians for Climate Action

Physicians for Social Responsibility

University of California, San Francisco Institute for Global Health Sciences

US Climate and Health Alliance

Vermont Climate and Health Alliance

Virginia Clinicians for Climate Action