Der Klimawandel ist ein medizinischer Notfall!

 

Pressemitteilung: Der Klimawandel ist ein medizinischer Notfall – Kohleausstieg ist Gesundheits- und Klimaschutz zugleich!

Die Deutsche Allianz Klimawandel & Gesundheit
drängt auf den raschen Ausstieg aus fossilen Energien:
Offener Brief
an die Kommission „Wachstum, Beschäftigung, Strukturwandel“ des Bundestags

 

Sehr geehrte Mitglieder der Kommission „Wachstum, Beschäftigung, Strukturwandel“,

Ihr Votum ist entscheidend für den Zeitpunkt des Ausstiegs aus der Kohle.
Als Angehörige der Gesundheitsberufe – Ärzte, Therapeuten, Pflegende – appellieren wir an Sie, bei Ihrer Entscheidung die möglichen Konsequenzen für die menschliche Gesundheit zu berücksichtigen.

Bereits jetzt schädigt der Klimawandel in vielfältiger Weise die Gesundheit unzähliger Menschen und droht, die Fortschritte bei der globalen Gesundheit und der Entwicklung der letzten Jahrzehnte zunichte zu machen. Die medizinische Fachwelt spricht bereits vom Klimawandel als einem sich abzeichnenden medizinischen Notfall, als zentrale Herausforderung für die Gesundheitssysteme weltweit.

Die Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit ist ein Bündnis von Einzelpersonen und Organisationen aus dem Gesundheitsbereich. Als Vertreter gesundheitsbezogener Berufe und Organisationen aus Wissenschaft, Praxis und Zivilgesellschaft  sehen wir die dringende  Notwendigkeit zum Handeln, um die weitere Erderwärmung auf möglichst 1.5 °C zu begrenzen (Pariser Klimaabkommen). Denn wir alle sorgen uns um eine lebenswerte, gesunde Zukunft der nachfolgenden Generationen. Klimaschutz ist zugleich Gesundheitsschutz.

Steigende Temperaturen führen zu hitzebedingter Sterblichkeit, häufiger zu Allergien, verstärken Herz-Kreislauf- und Lungenerkrankungen sowie Asthmaleiden und sorgen für die Ausbreitung von Infektionskrankheiten. Sie bedrohen insbesondere vulnerable Personengruppen wie Kinder, Schwangere und ältere sowie ökonomisch und sozial benachteiligte Menschen. Zudem haben Extremwetterereignisse neben den physischen auch psychische Schäden zur Folge.

Neben dem Verkehr trägt insbesondere auch die Kohleverbrennung maßgeblich zur Luftverschmutzung bei. Diese ist ein erheblicher Risikofaktor für nicht-übertragbare Erkrankungen wie Herzinfarkte, Schlaganfälle, Diabetes und chronische Atemwegserkrankungen. Luftverschmutzung trägt deutlich zur Krankheitslast und vorzeitigem Tod bei.

Die Gesundheitsschäden durch Luftverschmutzung führen zu Produktivitätseinbußen und sind wirtschaftlich kostspielig: Die geschätzte Gesamthöhe der vermeidbaren Gesundheitskosten in Bezug auf Kohleabgase aus deutschen Kraftwerken liegt zwischen 6,2 bis 11,9 Milliarden Euro jährlich.  (HEAL Studie 2017)

Gleichzeitig hat die Umstellung der Stromerzeugung von Kohle und anderen fossilen Energieträgern auf erneuerbare Quellen viele positive gesundheitliche Folgen, und führt u.a. zu einer Verringerung der Behandlungs- und Medikamentenkosten im Zusammenhang mit Krankheiten der Atemwege und des Herz-Kreislauf-Systems.

Prävention geht vor Therapie. Krankheiten sind rechtzeitig zu behandeln und zwar an ihren Wurzeln.  Die Kohleförderung als Krankheitsursache – unmittelbar durch Umweltlasten wie mittelbar durch den Klimawandel – muss daher so schnell wie möglich beendet werden.

Wir appellieren deshalb an Sie, den gesundheitlichen Aspekten bei Ihrer Entscheidung Rechnung zu tragen.

Wir schließen uns damit den zahlreichen Institutionen und Organisationen aus der ganzen Welt an, die aus Gründen des Gesundheitsschutzes auf einen raschen Ausstieg aus allen fossilen Energieträgern, beginnend mit einem Ausstieg aus der Kohle, drängen. Dies soll in Übereinstimmung mit dem Pariser Klimaabkommen geschehen. Der schnelle Kohleausstieg ist eine unabdingbare Sofortmaßnahme, um Leben, Gesundheit und  Klima gleichermaßen zu schützen.

 

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Martin Herrmann
Sprecher der Deutschen Allianz Klimawandel und Gesundheit

Oktober 2018