Handlungsfelder

Ärztinnen und Ärzte wie auch andere Angehörige der Gesundheitsberufe (Pflegende, Therapeut*innen) haben in der Bevölkerung eine hohe Glaubwürdigkeit und sind in besonderer Weise geeignet, als Motivatoren Patient*innen wie Politiker*innen von der Dringlichkeit des Handelns zu überzeugen. Sie stehen deshalb im Fokus der Arbeit von KLUG.

Folgende Handlungsfelder sind dabei besonders wichtig:

Aufklärung und Agendasetting

Die gesundheitlichen Folgen des Klimawandels müssen den Angehörigen der Gesundheitsberufe als ein Thema bewusst werden, das zu ihrem ureigensten Aufgabengebiet und zu ihrer persönlichen Verantwortung gehört – denn wenn der Planet nicht gesund ist, kann es der Mensch auch nicht sein.

Die Dringlichkeit zu handeln muss deutlich werden: Die Klimakrise ist ein medizinischer Notfall.

Politiker, Krankenkassen und Sozialverbände müssen ebenso auf das Thema aufmerksam werden wie auch die breite Öffentlichkeit. Jeder Einzelne kann und sollte auf seinem Gebiet zum Klimaschutz beitragen. Die Kommunen und die Sozialverbände sind aufgerufen, vorbeugende Maßnahmen zum Schutz der Gesundheit (z.B. bei Hitzewellen) zu implementieren.

Bildung

Die Forschung liefert immer mehr Erkenntnisse über gesundheitsschädliche Auswirkungen der Klimakrise. Diese müssen in die Aus-, Fort- und Weiterbildung der Gesundheitsberufe integriert werden – die ersten Curricula sind bereits im Entstehen. Präventions- und Gegenmaßnahmen zur Linderung der Auswirkungen müssen diskutiert und entwickelt werden.

Mit Förderung des Umweltbundesamtes arbeitet KLUG an der Entwicklung neuer Bildungskonzepte (Klima als Thema für Gesundheitsberufe, Bildung zum transformativen Handeln), gemeinsam mit der Hochschule Fulda, der Charité Berlin, der Technischen Universität München, der Ludwig-Maximilians-Universität München und der Universität Mannheim. In Netzwerken von Lehrenden und Studierenden dieser Bildungseinrichtungen, aber auch darüber hinaus, sollen generationenübergreifend und transdisziplinär Konzepte und Erfahrungen ausgetauscht werden.

Zudem wird daran gearbeitet, das Thema der notwendigen Transformation in nationale Bildungs- und Prüfungskataloge zu verankern und bei wesentlichen Stakeholdern wie Entscheidern oder in Verbänden auf die Agenda zu setzen (Ärztekammern, Pflegerat, Gesundheitsministerien). Im zweiten Projektjahr wird an der Skalierung der Erfahrungen gearbeitet. Für die Konzeptentwicklung und den Erfahrungsaustausch werden auch Experten aus anderen Ländern hinzugezogen.

KLUG hat einen 90-stündigen Advanced Course „Climate Change and Health: Initiating and Leading Transformational Change“ in Zusammenarbeit mit dem Center for International Health der LMU München entwickelt. Der Kurs ist TropEd akkreditiert.

KLUG ist Mitglied bei der Klima-Allianz Deutschland und entwickelt gemeinsam mit ihr Konzepte und Formate, wie der Zusammenhang von Klimawandel und Gesundheit in der Klimabewegung und der breiteren Öffentlichkeit vermittelt werden kann.

Klimaneutraler Gesundheitssektor

Das Gesundheitswesen hat einen hohen Anteil an den CO2-Emissionen: Wäre der globale Gesundheitssektor ein Land, wäre er der fünftgrößte Emittent von Klimagasen. Im internationalen Durchschnitt sind es 4,4 Prozent, in Deutschland sogar 5,2 Prozent. Dabei ist der Exportanteil noch nicht eingerechnet.

Ziel ist, ein Null-Emissions-Krankenhaus zu schaffen und nach dem Vorbild des britischen Gesundheitswesens (For a greener NHS) die klimaschädlichen Faktoren zu reduzieren oder zu eliminieren.

Lebensstiländerungen

Beschäftigte des Gesundheitssektors genießen besondere Wertschätzung und Vertrauen in der Bevölkerung. Insbesondere die Hausärzte können eine wichtige Rolle als „change agents“ einnehmen, wenn sie ihre Patient*innen erklären, wie stark Lebensstilveränderungen (wie weniger motorisierte Bewegung, pflanzenbasierte Ernährung) nicht nur ihre Gesundheit fördern und Krankheiten vorbeugen, sondern gleichzeitig das Klima schützen. Klimaschutz ist laut Lancet die größte globale Gesundheitschance dieses Jahrhunderts.