Factsheet: Bewegung

Zu Fuß gehen, radfahren – aktiv gegen die Klimakrise, und dabei auch noch gesund bleiben!

1. Was hat Bewegung mit der Klimakrise zu tun?

Ein Fünftel des in Deutschland ausgestoßenen Klimagases CO2 entsteht durch motorisierten Verkehr. 96 Prozent davon stammen aus den Auspuffen von Pkw und Lkw.

Diese Situation hat sich seit 1995 kaum verbessert: Die CO2-Verkehrsemissionen in Deutschland waren bis 2018 – trotz verschärfter Abgasrichtlinien – sogar um 3,7 Prozent gestiegen, anders als bei Schwefeldioxid (- 98 Prozent) oder flüchtigen organischen Chemikalien ohne Methan (- 89 Prozent). Die spezifischen Abgasmengen an Stickstoffoxiden sanken um 41,3, die der Feinstaub-Emissionen um 82 Prozent¹.

Das Mehr an Pkw-Verkehr hebt den Fortschritt auf, so das Umweltbundesamt. Das liegt unter anderem daran, dass die Mobilität zunimmt. Die Wegstrecken von und zur Arbeit, Ausbildung oder für Geschäftszwecke sind gegenüber 2008 um 13 Prozent angestiegen, am stärksten die dienstlich veranlassten Wegstrecken gestiegen – mit 56 Prozent. Dazu zählt z.B. der Verkehr von Handwerkern, Pflegediensten und nicht zuletzt von Kurier- und Paketdiensten².

2. Was bringt es, kurze Wege zu Fuß zurückzulegen?

Nur 30 Prozent der innerörtlichen Wege erledigen wir zu Fuß. Jeder zwanzigste Weg, der in Deutschland mit dem Auto gefahren wird, ist außerdem maximal einen Kilometer lang. Wenn wir nur 30 Prozent dieser kurzen Autofahrten zu Fuß oder mit dem Rad zurückzulegten, könnten wir allein damit 2,5 Millionen Tonnen CO2 einsparen³. Wie positiv die Bilanz des Zufußgehens ist, zeigt folgendes Beispiel des VDC:

3. Was verändert körperliche Bewegung im Organismus?

•Das Immunsystem: Der Körper schüttet vermehrt bestimmte Botenstoffe aus, z.B. Interleukin-6. Im Zusammenspiel mit Adrenalin mobilisiert das die Abwehr.

• Die Hormontätigkeit: Serotonin, aber auch andere Botenstoffe nehmen zu. Sie wirken ebenfalls positiv auf das Immunsystem.

• Das Gehirn: Bewegung erhöht die Konzentration des Botenstoffes BDNF (brain-derived neurotrophic factor) im Blut, an dem es Menschen mit Depressionen oft mangelt.

• Das Erbgut: Regelmäßiges Training modifiziert viele Gene. Das könnte erklären, warum sportliche Aktivität die Veranlagung für Krankheiten anscheinend abmildern kann. 

• Die Muskeln: Krafttraining lässt Muskeln Botenstoffe ausschütten, die Myokine. Sie aktivieren Stoffwechselvorgänge, etwa den Fettabbau, oder hemmen Entzündungen.

Knochen und Gelenke: Die sanfte Erschütterung, z.B. beim Walken, fördert die Ernährung der Gelenke und stärkt die Knochen⁴.

4. Wogegen ist Bewegung gut?

Herz-Kreislauf-Leiden: Bereits zehn Minuten rasches Gehen am Tag reduzieren das Risiko um 20 Prozent. Empfohlen werden 20 bis 30 Minuten, mindestens dreimal die Woche. Die Regeneration nach Herzinfarkt und Schlaganfall verbessert sich, der obere Blutdruck-Wert kann um 10 bis 15 mmHg gesenkt werden, der untere um 5 bis 8 mmHg.

Krebs: Studien zeigen deutliche Risikosenkungen für Darm-, Gebärmutter- und Brustkrebs. Man nimmt an, dass rund neun Prozent aller Brustkrebsfälle und 10 Prozent aller Darmkrebsfälle in Europa auf unzureichende Bewegung zurückgehen. Schwächere Wirkung zeigt sich bei Lungenkrebs, Bauchspeicheldrüsenkrebs, Eierstockkrebs, Prostatakrebs, Nierenkrebs und Magenkrebs. Als Gründe werden Auswirkungen körperlicher Aktivität auf Steroidhormone, den Insulinstoffwechsel, Wachstumsfaktoren, Adipokine (Signalmoleküle im Fettgewebe) und das Immunsystem diskutiert⁵.

Übergewicht und Diabetes: Das Ansprechen auf Insulin nimmt zu, der Blutzuckerspiegel wird stabilisiert.

Depression: Die Analyse der Daten von rund 300.000 Personen zeigte: Wer sich täglich 15 Minuten intensiv bewegt oder eine Stunde flott spazieren geht, reduziert sein Risiko für Depressionen um etwa 26 Prozent⁶.

5. Was kann Zufußgehen oder Radfahren noch?

Sich nicht-motorisiert zu bewegen verhindert die meisten tödlichen Verkehrsunfälle und reduziert Luftschadstoffe. Gemessen an den EU- Grenzwerten sind in Deutschland insbesondere die Konzentrationen von Stickstoffdioxid und Feinstaub noch immer zu hoch. Eine langfristige Exposition gegenüber Feinstaub kann zu Arteriosklerose führen, Geburten beeinträchtigen und Atemwegserkrankungen bei Kindern auslösen⁷.

Quelle: European Environment Agency

¹ https://www.umweltbundesamt.de/daten/verkehr/emissionen-des-verkehrs#-das-mehr-an-pkw-verkehr-hebt-den-fortschritt-auf
² https://www.bmvi.de/SharedDocs/DE/Artikel/G/mobilitaet-in-deutschland.html
³ https://www.verbraucherzentrale-bayern.de/sites/default/files/migration_files/media221043A.pdf
⁴ https://www.apotheken-umschau.de/Sport/Weshalb-Bewegung-so-gesund-ist-534569.html
⁵ https://www.krebsgesellschaft.de/onko-internetportal/basis-informationen-krebs/bewusst-leben/basis-informationen-krebs-bewusst-leben-bewegung/durch-bewegung-kreb.html
⁶ https://jamanetwork.com/journals/jamapsychiatry/article-abstract/2720689
⁷ http://www.euro.who.int/en/health-topics/environment-and-health/air-quality/publications/2013/review-of-evidence-on-health-aspects-of-air-pollution-revihaapinterim-report