Selbstverständnis

Das Gesundheitswesen mit all seinen Akteur*innen kann und muss einen großen Beitrag zum Klimaschutz leisten, denn es geht darum, die Lebensgrundlagen für diese Welt und künftige Generationen zu sichern. KLUG fühlt sich der Idee der planetaren Gesundheit („planetary health“) verpflichtet: Wenn der Planet krank ist, kann der Mensch nicht gesund sein. Ziel ist es, vom Wissen ins Handeln zu kommen und die rasche Transformation in eine klimaneutrale Gesellschaft zu erreichen.

Wir wollen

  • den Klimawandel als zentrales Thema für die Gesundheit deutlich machen („größte Bedrohung für die Gesundheit in diesem Jahrhundert“, Lancet)
  • Strategien entwickeln, wie Gesundheitssystem und Gesellschaft auf die Klimaerwärmung reagieren und ihre Auswirkungen mildern können (Notfallpläne für Hitzewellen, Aus- und Fortbildung für Ärzt*innen und Pflege)
  • das Potenzial aufzeigen, das Klimaschutz über die notwendigen Lebensstiländerungen (mehr pflanzenbasierte Ernährung, nicht-motorisierte Bewegung u.a.) für mehr Gesundheit („größte Gesundheitschance“, Lancet)
  • Anstöße dazu geben, dass der ökologische Fußabdruck des Gesundheitssektors (5,2 Prozent der CO2-Emissionen in Deutschland) so schnell wie möglich reduziert wird, mit dem Ziel der Klimaneutralität
  • die Akteure des Gesundheitssektors dazu bewegen, auf allen Gebieten aus der Kohlewirtschaft auszusteigen.

Angehörige der Gesundheitsberufe haben die ethische Verpflichtung übernommen, die Gesundheit der Menschen zu schützen. Gleichzeitig genießen sie in der Öffentlichkeit besonderes Vertrauen. Sie sind deshalb wichtige Vermittler*innen zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit.

KLUG versteht sich als Impuls- und Ideengeber, als Vernetzer und Vermittler. Die Allianz ist ein Netzwerk von Akteur*innen aus allen Sektoren des Gesundheitswesens und darüber hinaus, die sich im Bereich Klimawandel und Gesundheit engagieren wollen. Im Sommer 2019 wurde als Spin-Off die Initiative „Health for Future“ als Plattform für Mahnwachen, Klimastreiks und andere Aktionen gegründet.

Als Gesundheitsakteur*innen fühlen wir uns zum Handeln verpflichtet, um die weitere Erderwärmung auf maximal 1,5° C (im Vergleich zum vorindustriellen Niveau) zu begrenzen. Uns vereint die Sorge um eine lebenswerte, gesunde Zukunft für nachfolgende Generationen und die Lebensgrundlage für alle Lebewesen auf diesem Planeten.

Klimawandel als medizinischer Notfall

Der menschengemachte Klimawandel hat schon heute gravierende Auswirkungen auf das Leben und die Gesundheit von Millionen Menschen weltweit. Nach Einschätzung des Weltklimarats führt der Klimawandel zu häufigeren und stärkeren Wetterextremen, die direkte Konsequenzen für die körperliche und psychische Gesundheit haben (z. B. Verletzungen, Hitzestress, Atemwegs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen). Zudem kommt es zu zahlreichen indirekten Effekten, insbesondere zu Mangelernährung und Hunger, Durchfallerkrankungen, gehäuften und stärkeren Allergiebeschwerden sowie der Ausbreitung von Infektionskrankheiten. Klimawandel ist eine Mitursache von Instabilität, Migration und gewalttätigen Konflikten – mit weitreichenden Folgen auch für die Gesundheit.

Diese Probleme werden mit weiterer Erderwärmung drastisch zunehmen und ohne Gegenmaßnahmen ein unkontrollierbares Ausmaß erreichen. Fortschritte in der globalen Gesundheit in den letzten Jahrzehnten wie bei der Bekämpfung von Infektionskrankheiten, Mangelernährung und Armut werden durch den Klimawandel massiv gefährdet. Dies gilt ebenso für die gesundheitsbezogenen Ziele der UN-Nachhaltigkeitsagenda 2030.

Die Auswirkungen des bisher ungebremsten Klimawandels betreffen uns alle, vor allem aber die verletzlichsten Gruppen der Bevölkerung und jene Länder mit niedrigen und mittleren Einkommen, die am wenigsten zum Klimawandel beigetragen haben. Hauptleidtragende sind weltweit Kinder. Der Klimawandel berührt somit auch Fragen globaler Gerechtigkeit.

Mehr Gesundheit durch Klimaschutz

Unser Lebensstil, die Art wie wir Energie erzeugen, wie wir produzieren und konsumieren, uns ernähren und unsere Mobilität gestalten, beeinflusst nicht nur unsere Gesundheit, sondern auch unseren Treibhausgasausstoß. Viele sogenannte Zivilisationskrankheiten, die in den meisten westlichen Ländern den Hauptteil der Krankheitslast ausmachen, gehen somit auf dieselben Ursachen zurück wie der Klimawandel. Allein die Luftverschmutzung, welche maßgeblich durch das Verbrennen fossiler Brennstoffe bedingt ist, führt jährlich zu etwa sieben Millionen vorzeitigen Todesfällen weltweit.

Daher bedeutet die Umstellung unserer Wirtschaft und Gesellschaft auf eine neutrale Treibhausgasbilanz gleichzeitig eine große Chance für die Prävention von Krankheiten. So ist durch vermehrte körperliche Aktivität, eine ausgewogenere, fleischarme Ernährung, eine verbesserte Luftqualität und grünere Städte eine Reduktion vieler Zivilisationskrankheiten wie Herz-Kreislauf-, Atemwegs- und Krebserkrankungen sowie Diabetes und Übergewicht zu erwarten [4], einschließlich Entlastungen bei entsprechenden gesundheitlichen und wirtschaftlichen Folgekosten. Allein die Luftverschmutzung, welche maßgeblich durch das Verbrennen fossiler Brennstoffe bedingt ist, führt derzeit jährlich zu etwa sieben Millionen vorzeitigen Todesfällen weltweit.

Internationale Einbettung

Wir sind inspiriert durch eine steigende Zahl an Initiativen und Bündnissen von Gesundheitsakteur*innen aus aller Welt. Große wissenschaftliche Fachgesellschaften und andere Organisationen im Gesundheitsbereich, renommierte medizinische Fachjournale wie auch Einzelpersonen verweisen seit Jahren auf die Gefahren des Klimawandels für die Gesundheit und engagieren sich zu diesem Thema. Nun ist auch Deutschland aufgefordert zu handeln!