Online-Umfrage: Klimaschutz in Praxen

Im Rahmen der Studie „Klimaschutz in Praxen“ der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg sollen der Ist-Zustand, Möglichkeiten und Hürden bezüglich Klimaschutz im ambulanten deutschen Gesundheitswesen untersucht werden.

Ziel der bundesweiten Online-Umfrage ist es, herauszufinden, wie niedergelassene ärztliche Kolleginnen und Kollegen das Potenzial im ambulanten Bereich einschätzen und wo Lösungen gefunden werden müssen.

Sie sind Teilhaber*in oder angestellt als Ärzt*in in einer Praxis/MVZ?

Für die Durchführung der Studie wird Ihre Unterstützung benötigt! Je mehr Ärztinnen und Ärzte an dieser Umfrage teilnehmen, desto aussagekräftiger sind die Ergebnisse.

Die Beantwortung der Fragen wird circa zehn Minuten in Anspruch nehmen. 

Wir möchten Sie höflich um Teilnahme und Verbreitung der Umfrage bitten:

www.medizin.uni-halle.de/klimapraxen

Ärztinnen und Ärzte haben mit ihrem täglichen Kontakt zu Patient*innen eine große Reichweite in alle gesellschaftlichen Bereiche und sind damit Multiplikator*innen. Handlungsmöglichkeiten ergeben sich durch direkte Klimaschutzmaßnahmen in der Praxis, Aufklärungsarbeit über Klimawandel und auch Beratung zu klimafreundlichem und gleichzeitig gesundheitsbewusstem Verhalten. Die Studie soll erste Daten zu Klimaschutz und ambulanter medizinischer Versorgung in Deutschland schaffen und ein möglichst großes Kollektiv erreichen.

Hintergrundinformationen zur Online-Umfrage

Hier finden Sie einen kurzen Überblick über den Hintergrund zu den Fragen der Umfrage „Klimaschutz in Praxen“, durchgeführt durch die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg in Zusammenarbeit mit der Allianz Klimawandel und Gesundheit (KLUG).

Niedergelassene und in Praxen/Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) angestellte Ärzt*innen und ärztliches Personal in diesen Einrichtungen sind bis Ende 2020 herzlich zur Teilnahme an der Umfrage eingeladen.

Bitte beachten Sie: Wenn Sie bei der Umfrage mitmachen möchten, so bitten wir Sie, zuerst an der Umfrage teilzunehmen, bevor Sie sich mit dem Hintergrund der Fragen befassen: www.medizin.uni-halle.de/klimapraxen

Ausführliche Version als Download

Die ausführlichen Hintergrundinformationen samt Quellen finden Sie in der PDF-Version zum Download. Nachfolgend finden Sie eine komprimierte Zusammenfassung der PDF-Version (einzelne Textabschnitte mit Mausklick aufklappen):

In Deutschland trägt das Gesundheitswesen mit 5,2% zu den Treibhausgasemissionen des Landes bei. Der Klimawandel stellt eine große Bedrohung für die menschliche Gesundheit dar. Direkte Effekte, wie z.B. die Zunahme von Luftverschmutzung, Mangelernährung, Zoonosen, Waldbrandexposition, extremen Wetterereignissen (Hitze, Hochwasser, Stürme) etc. sind bereits zu beobachten. Wenn nicht schnell und konsequent genug gehandelt wird, sind auch immer mehr indirekte Effekte zu erwarten: von Migration und der Gefährdung psychischer Gesundheit bis hin zum Kollaps gesellschaftlicher Systeme, inklusive des Gesundheitssystems. Gleichzeitig geht effektiver Klimaschutz Hand in Hand mit vielfältigen potenziellen positiven Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit. Umwelt- und klimafreundliches Verhalten wiederum ist umso ausgeprägter, je mehr sich eine Person mit der Natur verbunden fühlt. Niedergelassene Ärzt*innen der über 100.000 Praxen und MVZ in Deutschland genießen hohes Vertrauen und können, gemeinsam mit anderen Beschäftigten im Gesundheitswesen, als „Change Agents“ für Klima- und Umweltschutz aktiv zu werden.

Laut einem Bericht des Netzwerks Health Care Without Harm tragen Erzeugung und Verteilung von Strom, Gas, Wärme und Kühlung zu 40% der globalen Emissionen im Gesundheitswesen bei. Indem Praxen Strom aus erneuerbaren Energiequellen beziehen, können sie den Ausbau dieser Energien fördern. Im Büro- und Praxisbereich besteht auch ein hohes Potenzial für Klimaschutz durch Einsparen von Energie.

Weitere Informationen zum Energieverbrauch siehe in der PDF-Datei unter Punkt 1.1.

Das Gesundheitswesen leistet einen erheblichen Beitrag zum Abfallaufkommen (z.B. durch Einwegmaterial). Nachhaltiges Abfallmanagement (Abfallvermeidung, Abfallreduzierung, Recycling, adäquate Mülltrennung) und nachhaltige Beschaffung (Berücksichtigung des gesamten Produktlebenszyklus, minimale Verpackung, wiederverwendbare statt Einwegprodukte, recycelte und effiziente Produkte) können bedeutende Effekte zeigen. Beispiele aus der Praxis zeigen, dass dies möglich ist, ohne Abstriche bei Hygiene und Sicherheit zu machen.

Weitere Informationen zu Gebrauchsmaterialien siehe PDF-Datei unter Punkt 1.2.

Um die Ziele des Pariser Abkommens einzuhalten, müsste der gesamte pharmazeutische Sektor bis 2025 seine Emissionen um 59% reduzieren (verglichen mit Werten von 2015). Der Gebrauch von Medikamenten hat multiple direkte und indirekte Effekte – auch auf Klima und Umwelt (z.B. Klimaerwärmung durch Treibhausgase aus Dosierinhalatoren oder Anästhesiegase wie z.B. Desfluran und Umweltbelastung durch Kontamination von Wasser durch Pharmazeutika). Auch eine Optimierung der Medikamentengabe (besonders im Falle von Multimedikationen) könnte Treibhausgasemissionen, Wasserverbrauch und Abfallgenerierung bedeutend verringern.

Weitere Informationen zu Medikamenten siehe PDF-Datei unter Punkt 1.3.

Durch eine Verlagerung hin zu aktiver Mobilität (zu Fuß gehen, Radfahren), Ausbau des öffentlichen Verkehrs und besserer Flächennutzung profitiert sowohl das Klima als auch die Gesundheit (Reduzierung von CO2- und Feinstaubemissionen, weniger Unfalltote, weniger schädliche Folgen von körperlicher Inaktivität). E-Bikes stellen in vielen Fällen eine gute Alternative zum Auto dar. eHealth-Angebote (Telemedizin/Videosprechstunde) können den Zugang zur Gesundheitsversorgung und empfundene Kontrolle verbessern und schon ab wenigen Kilometern Strecke Emissionen und Kosten reduzieren.

Weitere Informationen zu Mobilität und Telemedizin siehe PDF-Datei unter Punkten 1.4. und 1.5.

Ärzt*innen und Pflegepersonal in Praxen stehen in der Verantwortung, die Zusammenhänge zwischen Klimaschutz und Prävention/Gesundheitsförderung zu thematisieren. Dabei können z.B. Ernährungsberatung (Planetary Health Diet) und Informationsmaterialien zum Zusammenhang zwischen Klimawandel und Gesundheit, aber auch Engagement innerhalb des Praxisteams (Klimaschutzbeauftragte*r), einen Beitrag leisten. Fortbildungen und Schulungen sind vonnöten, um Wissen zu generieren und Sensibilisierung für das Thema zu schaffen.

Weitere Informationen zu Patient*inneninformationen und der Rolle des Praxisteams siehe PDF-Datei unter Punkt 1.6.

Weiterführende Informationen/Unterstützung/Links siehe finden Sie am Ende der PDF-Datei vor der Bibliographie.

Einige Banken und Versicherungen investieren gezielt in erneuerbare Energien und haben klare ethische und soziale Richtlinien für ihre Geldanlagen. Durch Anlage von Geld bei solchen Banken können klimaschädlichen Industrien Finanzen entzogen werden. In Anbetracht der Rücklagen im Gesundheitswesen haben solche Divestments ein enormes Potenzial, zu Treibern für Klimaschutz und entsprechende politische Veränderungen zu werden.

Weitere Informationen zu Praxisfinanzen siehe PDF-Datei unter Punkt 1.7.

Ausblick – Planetary Health

Im Fragebogen werden bewusst die Begriffe „Klimaschutz“, „Klimawandel“, „klimafreundlich“ benutzt, obwohl dem Forschungsteam klar ist, dass dies das Ausmaß der Krise nicht adäquat benennt und nicht alle Facetten von Nachhaltigkeit und Umweltschutz beachtet werden. Klimaschutz ist ein erster notwendiger Schritt hin zu einer sozio-ökologisch nachhaltig handelnden und gesunden Gesellschaft. Umfassender ist das Konzept Planetary Health. Planetary Health denkt den Zusammenhang zwischen menschlicher Gesundheit und der Gesundheit des Planeten breiter. Sie orientiert sich zum einen an den neun planetaren Grenzen, die einen sicheren Handlungsspielraum für die Menschheit definieren, und zum anderen an einer gerechten sozialen und gesellschaftlichen Basis im Sinne der nachhaltigen Entwicklungsziele der UN. Um globalen Herausforderungen zu begegnen, bedarf es gemäß des Konzeptes Planetary Health ganzheitlicher und systemischer Ansätze und einer neuen Definition des menschlichen Verhältnisses zur Natur, die die gegenseitige Abhängigkeit von Mensch und Erde in den Mittelpunkt stellt. Eine Transformation des Gesundheitswesens könnte zum Erhalt der Gesundheit von Mensch und Erde beitragen.

Dr. Christine Clar, Nikolaus C.S. Mezger, Marlene Thöne