Wasser- und Nahrungsmittelsicherheit

Landwirtschaft

Zunehmende Extremwetterereignisse wie Dürreperioden, Hitzewellen sowie Starkregen oder Hochwasser beeinträchtigen die Landwirtschaft. Gerade bereits heute warme bzw. trockene Regionen sind vom Klimawandel negativ betroffen. [1]
In den letzten Jahren verloren deutsche Landwirte infolge von Hitzewellen bis zu 70 Prozent der Ernteerträge. 2018 landete Deutschland deshalb das erste Mal unter den Top 3 Ländern des Klima-Risiko-Index‘: Dieser kategorisiert die am stärksten von Extremwetter betroffenen Länder der Welt, gemessen am ökonomischen Schaden.[2]

Eine Zunahme an Schädlingsbefall durch Insekten oder Pilze und eine verschlechterte Bodenqualität durch Trockenperioden oder Starkregen können zusätzliche Ernteunsicherheit bedeuten.[1]

Der höhere CO2-Gehalt der Atmosphäre kann einen wachstumsfördernden Effekt auf Pflanzen haben, dieser wird die hitzebedingten Schäden allerdings nicht ausgleichen. Außerdem wirkt dieser Effekt eher bei Gräsern als bei Getreidepflanzen. Die höhere CO2-Aufnahme führt in den Pflanzen allerdings zu dickeren Blättern. Diese können dadurch weniger COaus der Luft absorbieren, was in Zukunft zu zusätzlichen mehreren Milliarden Tonnen des Treibhausgases in der Atmosphäre führen kann. [3]

Gleichzeitig wird durch die erhöhte CO2-Konzentration die Qualität unserer Nahrungsmittel beeinflusst, da sie den Gehalt an Zink, Eisen, B-Vitaminen und Proteinen in Nutzpflanzen verringert. Professor Kristie Ebi, eine der führenden Autorinnen des IPCC Sonderberichtes “1,5 °C globale Erwärmung“ von 2018, warnt vor einem gesundheitsschädlichem Nährstoffmangel, der dadurch entstehen kann. [4,5]

Wasser

Die Zunahme von Wetterextremen wie Starkregen, Überschwemmungen oder Trockenperioden wirkt sich ebenfalls auf Qualität und Verfügbarkeit von Trinkwasser aus. 

Trinkwassermangel betrifft heute am meisten Entwicklungsländer. Während Dürreperioden führen die niedrigen Wasserspiegel zu einer höheren Konzentration an Schadstoffen und einer schlechteren Qualität des Trinkwassers durch Algenwachstum. Ebenso verschlechtern sich durch Wassermangel die hygienischen Bedingungen und das Risiko für die Übertragung von Infektionskrankheiten steigt. Fehlendes Wasser zur Bewässerung von Nutzpflanzen beeinträchtigt die Ernteerträge und kann damit indirekt Nährstoffmangel verursachen. [6]

Qualitativ und quantitativ sind vor allem im Nahen Osten, Nordafrika, Zentralasien und Australien bereits heute an einem kritischen Punkt. Aber auch Europa ist betroffen: Regelmäßig trocknen während der warmen Monate Flüsse und Seen aus, in Spanien entsteht in Andalusien die erste Wüste Europas. [7]

In Deutschland gehen die Niederschlagsmengen im Sommer bereits zurück, während sie im Winter eher zunehmen. Da die Pflanzen im Sommer viel Wasser brauchen, um sich vor Hitze zu schützen, sind die Regenfälle im Winter besonders wichtig, um das Grundwasser zu regenerieren. 
Trotz steigender Regenfälle finden sich inzwischen historisch niedrige Grundwasserspiegel: Die im Durchschnitt höheren Temperaturen führen zu einer höheren Verdunstung. Gleichzeitig sorgen diese auch für eine längere Vegetationsperiode der Pflanzen, sodass diese das Jahr über mehr Wasser aus dem Boden ziehen.
Besonders in Regionen mit wenig durchlässigen Böden und geringer Bodenspeicherkapazität geht so die Grundwasserneubildung zurück. [8]

Planetary Health Diet

Die globale Landwirtschaft und Nahrungsmittelproduktion besitzt einen erheblichen Anteil am Treibhausgas-Ausstoß und beeinflusst Biodiversität und Ökosysteme. [9]
Ernährung stellt nicht nur eine Herausforderung der Zukunft dar, sie kann auch ein Teil der Lösung für viele Probleme sein. Die Lebensmittel, die wir essen, die Art und Weise, wie wir diese produzieren und die Menge, die wir verschwenden oder wegwerfen, spielen eine wichtige Rolle für menschliche Gesundheit und ökologische Nachhaltigkeit.

Aus diesem Grund hat die EAT-Lancet-Kommission 37 führende Wissenschaftler:innen aus verschiedenen Fachgebieten versammelt, um wissenschaftlich fundierte Empfehlungen für eine gesunde Ernährung und nachhaltige Landwirtschaft zu entwickeln – die Planetary Health Diet.
Die Planetary Health Diet berücksichtigt die Treibhausgasemissionen von Landwirtschaft und Tierhaltung wie auch den Wasserverbrauch und andere Umweltbedrohungen wie etwa Nitrate im Grundwasser oder zunehmende Antibiotikaresistenzen.

Dabei können bereits kleine Veränderungen Wirkung zeigen. So werden zum Beispiel 80 Prozent der landwirtschaftlichen Treibhausgasemissionen durch Viehzucht verursacht – besonders durch Methan. Der Verzehr von gesättigten Fettsäuren aus tierischen Produkten erhöht das Risiko einer Herz-Kreislauf-Erkrankung, während eine pflanzenbasierte Ernährung das Risiko senkt. Nicht zuletzt helfen diese Maßnahmen auch Übergewicht, Rheuma und Krebs vorzubeugen. Weniger tierische Produkte bedeuten also weniger Vieh und damit weniger Emissionen bei besserer Gesundheit. [10]

Laut der EAT-Lancet-Commission lassen sich mit einem Wechsel von einer westlichen Ernährungsweise zur Planetary Health Diet weltweit jährlich elf Millionen krankheitsbedingte vorzeitige Todesfälle verhindern. Gleichzeitig sorgt die Transformation in Richtung einer nachhaltigen Nahrungsmittelproduktion und -konsumierung dafür, dass bis zum Jahr 2050 die Menschen dieser Erde nachhaltig ernährt und versorgt werden können, bei gleichzeitigem Schutz der Lebensräume.

Weitere Informationen über die Planetary Health Diet finden Sie hier: 

• „Discover the Planetary Health Diet

• EAT-Lancet Commission Summary Report 2019 (über den Zusammenhang von nachhaltiger Ernährung, Gesundheit und Klima). Download


Textredaktion: Maja Finkenstaedt & Petra Thorbrietz

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