Zunahme von Infektionskrankheiten

Der Klimawandel wirkt auch durch Veränderungen in Ökosystemen auf die menschliche Gesundheit. Durch die zunehmende Mobilität von Menschen und Waren können exotische Insekten und Parasiten importiert werden und aufgrund des wärmeren Klimas auch bei uns ansiedeln. [1,2,9]

Ein Beispiel bietet die Asiatische Tigermücke: ursprünglich beheimatet im asiatischen Raum findet man sie bereits überall in Südeuropa verbreitet, inzwischen auch in Baden-Württemberg und Thüringen. Sie ist in der Lage viele verschiedene virale Erreger zu übertragen, darunter auch das Zika-, Chikungunya, West-Nil- und Dengue-Virus. [9]
Erste lokal erworbene Fälle der Zika-Erkrankungen und des Dengue Fiebers sind bereits in Frankreich aufgetaucht. 

2018 traten in der EU mehr als 2.000 Infektionen von Tieren und Menschen mit dem West-Nil-Virus auf – mehr Fälle als in den Jahren von 2011 bis 2017 zusammen. In den letzten Jahren hat sich das Virus über Zugvögel weltweit verbreitet. [9]

„Auslöser für das Überspringen eines Erregers aus seiner natürlichen in eine neue Lebensgemeinschaft ist häufig die Vernichtung natürlicher Lebensräume und der dadurch bedingte neue Kontakt mit Menschen und Tieren.“

Dr. Stephanie Thomas & Prof. Carl Beierkuhnlein, Lehrstuhl Biogeografie der Universität Bayreuth 

In Deutschland beobachtet das Robert-Koch-Institut die Nordwärtsbewegung des West-Nil-Virus: Nachdem hierzulande 2019 und 2020 die ersten Fälle einer Ansteckung von Menschen auftraten, müssen nun nach einer Blutspende die Konserven auf das Virus getestet werden. Das Robert-Koch-Institut geht davon aus, dass sich die Fälle von Mücke-zu-Mensch-Übertragung aufgrund der längeren und wärmeren Sommer in Deutschland häufen werden.[6]

Die Symptome von Infektionen mit dem Zika-, Chikungunya, West-Nil- oder Dengue-Virus reichen von Abgeschlagenheit, Fieber, Hautausschlag und Gelenkschmerzen bis hin zu neurologischen Beeinträchtigungen wie Verwirrung und zeigen sich im Allgemeinen als sehr unspezifisch.[1] Dies macht es für Patient:innen wie Ärzt:innen schwierig, eine eindeutige Diagnose zu finden – besonders, weil diese Erkrankungen vorher noch nicht in unseren Breitengraden zu finden waren.

Neben Mücken könnten auch Zecken von den wärmeren Wintern und längeren Sommermonaten profitieren und sich weiter Richtung Norden ausbreiten. In Deutschland wird eine Ausbreitung der Zecke Ixodes ricinus, die Borreliose und FSME – eine Form der Hirnhautentzündung – übertragen kann, grundsätzlich wahrscheinlicher. [1,3]

Süddeutschland ist schon seit einigen Jahren ein Risikogebiet für FSME-Infektionen im Sommer, jedes Jahr kommen neue Regionen als Risikogebiete dazu. Das RKI beobachtete besonders hohe Fallzahlen in besonders heißen Jahren, wie z.B. während des Hitzesommers 2018. Im Jahr 2020 wurde mit 704 FSME-Erkrankungen die bislang höchste Anzahl Erkrankungen seit Beginn der Datenerfassung im Jahr 2001 gemeldet. [5]

Aufgrund wärmerer Temperaturen halten sich mehr Menschen im Freien auf, wodurch das Risiko eines Zeckenbisses steigt. Inzwischen scheint der Ixodes ricinus außerdem nicht mehr in die Winterruhe zu gehen und bleibt auch im Winter aktiv. Bereits ab Februar steige das Risiko eines Zeckenbisses, so Gerhard Dobler vom Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr. [7,8]
Die Ständige Impfkomission empfiehlt die FSME-Impfung als Schutz für alle, die in einem Risikogebiet zeckenexponiert sind.

Höhere Temperaturen können außerdem in Seen und in der Ostsee zu Algenblüten durch Cyanobakterien (Blaualgen) führen, was Hautreizungen verursachen kann. Darüber hinaus wird die Erwärmung der Ostsee voraussichtlich das Risiko von Vibrio-Infektionen erhöhen. Vibrio-Bakterien können Wundinfektionen oder Durchfall auslösen. [3,4]