Zweck der Versorgungswerke ist es, langfristig und generationengerecht die Alters-, Berufsunfähigkeits- und Hinterbliebenenversorgung ihrer Mitglieder sicherzustellen. Dieses Ziel kann nur dann erreicht werden, wenn wir die ökologische Krise eindämmen. Denn nur mit gesunden Ökosystemen ist langfristig die Voraussetzung für die Gesundheit der Menschen und wirtschaftliche Prosperität gegeben.
Derzeit ist nicht nachvollziehbar, inwieweit die Versorgungswerke kurz- und langfristige gesundheitliche, ökologische und ökonomische Risiken in ihren Kapitalanlagestrategien berücksichtigen. Die Anwendung nicht genauer spezifizierter, sogenannter ESG-Kriterien (environmental, social, governance) wird den Herausforderungen nicht gerecht. Wir fordern daher die Versorgungswerke zur Umsetzung der nachstehenden 5-Punkte-Agenda auf.
5-Punkte-Agenda
- Die Versorgungswerke vermeiden gesundheitliche, ökologische oder ökonomische Schäden durch ihre Kapitalanlagen, jetzt und für zukünftige Generationen.
- Die Versorgungswerke haben eine Strategie für an langfristigen Zielen ausgerichtete, krisenresiliente Kapitalanlagen. Das schließt die Berücksichtigung wirtschaftlicher Risiken ein, die aus der Überschreitung planetarer Grenzen resultieren.
- Die Kapitalanlagen der Versorgungswerke fördern die Transformation zu einer Wirtschaftsweise innerhalb planetarer Belastungsgrenzen.
- Die Versorgungswerke operieren innerhalb planetarer Belastungsgrenzen. Zur Sicherstellung einer so ausgerichteten Anlagestrategie werden geeignete Instrumente eingesetzt und überprüfbare Transformationspfade festgelegt.
- Die Versorgungswerke definieren Prinzipien für Kapitalanlagen innerhalb planetarer Belastungsgrenzen und informieren ihre Mitglieder und die Öffentlichkeit über geplante und erreichte Zwischenziele bei der Anpassung der Kapitalanlagestrategien.
Erläuterung der 5-Punkte-Agenda
1. Die Versorgungswerke vermeiden gesundheitliche, ökologische oder ökonomische Schäden durch ihre Kapitalanlagen, jetzt und für zukünftige Generationen.
Die zunehmende Überschreitung planetarer Belastungsgrenzen bedroht die natürlichen Lebensgrundlagen und die Stabilität der Ökosysteme, von denen Gesundheit und Wohlergehen der Menschen (und der Mitglieder der Versorgungswerke) abhängen. Das Versorgungswerk schließt Sektoren aus, die gesundheitliche, ökologische oder ökonomische Schäden verursachen. Ein rascher Ausschluss fossiler Energieträger aus den Kapitalanlagen kann mittels der Global Coal Exit List und der Global Oil and Gas Exit List erfolgen. Die Grundsätze ärztlicher Ethik („Primum nihil nocere“) sind auch für die Kapitalanlagen der Gesundheitsberufe leitend.
2. Die Versorgungswerke haben eine Strategie für an langfristigen Zielen ausgerichtete, krisenresiliente Kapitalanlagen. Das schließt die Berücksichtigung wirtschaftlicher Risiken ein, die aus der Überschreitung planetarer Grenzen resultieren.
Der ökologischen Krise folgen nicht nur gesundheitliche und gesellschaftliche Krisen, sondern auch ökonomische Krisen und damit eine Erhöhung der Risiken für die Kapitalanlagen der Versorgungswerke. Diese resultieren aus den allgemeinen physikalischen Gegebenheiten der Erderhitzung, sozialen sowie ökologischen Kipppunkten, ihren Wechselwirkungen, der inhärenten nichtlinearen Dynamik und nicht zuletzt durch geopolitische Risiken aufgrund der Verknappung materieller und ökologischer Ressourcen. Grundannahmen, die die letzten 50 Jahre funktioniert und zur Vermehrung des Wohlstands geführt haben, tragen nicht in die Zukunft. Das Weltwirtschaftsforum benennt Klimakrise und Umweltzerstörung als die größten Risiken für die ökonomische Entwicklung.
Es drohen plötzliche Wendepunkte, bei denen lange Zeit ignorierte oder unterschätzte Risiken durch die Klimakrise und die weiteren ökologischen Krisen plötzlich sichtbar und akut werden. Solche Wendepunkte können getriggert werden durch Extremwetterereignisse mit großen wirtschaftlichen Schäden und politischen Instabilitäten, externe Schocks durch Regulatorik, Reputationsrisiken oder Transitionsrisiken, z.B. einfach dadurch, dass regenerative Energien aufgrund ihrer ökonomischen Vorteile die fossilen Energien schneller aus dem Markt drängen als bislang für möglich gehalten. Das Ergebnis sind „stranded assets“, also Vermögenswerte, die plötzlich oder unerwartet an Wert verlieren und nicht mehr genutzt oder profitabel verwertet werden können. Die Versorgungswerke bewerten das daraus resultierende Risiko für ihre Kapitalanlagen.
3. Die Kapitalanlagen der Versorgungswerke fördern die Transformation zu einer Wirtschaftsweise innerhalb planetarer Belastungsgrenzen.
Die Transformation zu einer Wirtschaftsweise innerhalb planetarer Belastungsgrenzen ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Sie kann aber nur gelingen, wenn alle Sektoren und jeder in seinem Verantwortungsbereich daran mitwirken. Der Finanzsektor kann den Übergang zu einer kohlenstoffarmen Gesellschaft erheblich beschleunigen. Der Finanzbedarf für diesen Übergang wird von der International Energy Agency auf jährlich 4-5 Billionen US-Dollar (etwa 4-5% des Werts der globalen Ökonomie von etwa 100 Billionen US-Dollar in 2023) geschätzt, von denen ein erheblicher Teil aus dem privaten Sektor kommen muss.
Es bedarf einer grundlegenden Beschleunigung von Investitionstätigkeiten, die eine transformative Wirkung haben. Die berufsständischen Versorgungswerke investieren daher ihr Kapital in Sektoren, die innerhalb planetarer Belastungsgrenzen eine Wachstumsperspektive aufweisen.
4. Die Versorgungswerke operieren innerhalb planetarer Belastungsgrenzen. Zur Sicherstellung einer so ausgerichteten Anlagestrategie werden geeignete Instrumente eingesetzt und überprüfbare Transformationspfade festgelegt.
Hohe Renditen in Kapitalanlagen können bedeuten, dass Kosten für den Raubbau an der Natur, für Umwelt- und Klimafolgeschäden externalisiert und damit der Gesellschaft und insbesondere zukünftigen Generationen aufgebürdet werden. Um dem vorzubeugen, fördern die Versorgungswerke die Weiterentwicklung, Weiterverbreitung und Implementierung von Instrumenten, die die ökologischen und gesundheitlichen Auswirkungen der Kapitalanlagen quantifizieren und orientieren sich an Best Practice Beispielen. Die Kapitalanlagen der Versorgungswerke stehen im Einklang mit dem 1,5°Grad-Ziel des Pariser Klimaschutzabkommens, der UN-Konvention über biologische Vielfalt und orientieren sich an den planetaren Belastungsgrenzen.
5. Die Versorgungswerke definieren Prinzipien für Kapitalanlagen innerhalb planetarer Belastungsgrenzen und informieren ihre Mitglieder und die Öffentlichkeit über geplante und erreichte Zwischenziele bei der Anpassung der Kapitalanlagestrategien.
Unter der Beteiligung ihrer Gremien definieren die Versorgungswerke grundlegende Prinzipien und Werte zur Erreichung langfristiger gesundheitlicher, ökologischer und ökonomischer Nachhaltigkeit und verankern sie als Querschnittsaufgabe und leitende Philosophie/Kultur in ihrer Satzung. Darauf aufbauend erarbeitet das Versorgungswerk die genaue Kapitalanlagestrategie, überprüft sie regelmäßig und passt sie an. Das Versorgungswerk informiert seine Mitglieder und die Öffentlichkeit mithilfe geeigneter Instrumente über die Maßnahmen, geplante und erreichte Zwischenziele bei der Neuausrichtung der Anlagestrategie.
Liste der unterzeichnenden Organisationen:
- Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen e.V. (BDP)
- Berufsverband der Kinder- und Jugendärzt*innen e.V. (BVKJ)
- Verein demokratischer Ärzt*innen (vdää*)
- Berufsverband der Fachärzte für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie (BPM) e.V.
- Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie e.V. (DGMS)
- Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde e.V. (DGPPN)
- Deutsche Gesellschaft für Public Health e.V. (DGPH)
- Deutsche Gesellschaft für Verhaltenstherapie e.V. (DGVT)
- Deutscher Fachverband für Verhaltenstherapie e.V. (DVT)
- Bundesverband der Vertragspsychotherapeuten e.V. (bvvp)
- Hausärztinnen- und Hausärzteverband e. V.
- Hartmannbund – Verband der Ärztinnen und Ärzte Deutschlands e.V.
- KLUG – Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit e.V.
- Verein demokratischer Pharmazeutinnen und Pharmazeuten e.V. (VdPP)
- Vereinigung für analytische und tiefenpsychologisch fundierte Kinder- und Jugendlichen- Psychotherapie in Deutschland e.V. (VAKJP)
- Verband Psychologischer Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten (VPP im BDP)

















