Der Klimawandel ist eine große Herausforderung für die globale Gesundheit. Die Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit ist ein Bündnis von Organisationen und Einzelpersonen aus dem Gesundheitsbereich, dessen Ziel es ist, den Klimawandel als wichtiges Gesundheitsthema zu etablieren und politische und gesellschaftliche Veränderungen anzustoßen, um dieser Gefahr effektiv zu begegnen.

Als Vertreter gesundheitsbezogener Berufe und Organisationen aus Wissenschaft, Praxis und Zivilgesellschaft fühlen wir uns zum Handeln verpflichtet, um die weitere Erderwärmung auf deutlich unter 2°C zu begrenzen. Uns vereint die Sorge um eine lebenswerte, gesunde Zukunft für nachfolgende Generationen. Klimaschutz ist zugleich Gesundheitsschutz.

Klimawandel als große gesundheitliche Herausforderung

Der menschengemachte Klimawandel hat schon heute gravierende Auswirkungen auf das Leben und die Gesundheit von Millionen Menschen weltweit1.

Nach Einschätzung des Weltklimarats2 führt der Klimawandel zu häufigeren und stärkeren Wetterextremen, welche direkte Konsequenzen für die körperliche und psychische Gesundheit haben (z.B. Verletzungen, Hitzestress, Atemwegs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen). Zudem kommt es zu zahlreichen indirekten Effekten, insbesondere zu Mangelernährung und Hunger, Durchfallerkrankungen, gehäuften und stärkeren Allergiebeschwerden sowie der Ausbreitung von Infektionskrankheiten. Klimawandel ist eine Mitursache von Instabilität, Migration und gewalttätigen Konflikten – mit weitreichenden Folgen auch für die Gesundheit.

Diese Probleme werden mit weiterer Erderwärmung drastisch zunehmen und ohne Gegenmaßnahmen ein unkontrollierbares Ausmaß erreichen. Fortschritte in der globalen Gesundheit in den letzten Jahrzehnten wie bei der Bekämpfung von Infektionskrankheiten, Mangelernährung und Armut sind durch den Klimawandel massiv gefährdet.3 Dies gilt ebenso für die gesundheitsbezogenen Ziele der UN-Nachhaltigkeitsagenda 2030.

Die Auswirkungen des bisher ungebremsten Klimawandels betreffen uns alle, vor allem aber die verletzlichsten Gruppen der Bevölkerung und jene Länder mit niedrigen und mittleren Einkommen, die am wenigsten zum Klimawandel beigetragen haben. Der Klimawandel berührt somit auch Fragen globaler Gerechtigkeit.

Gesundheitschancen durch Klimaschutz

Unser Lebensstil, die Art wie wir Energie erzeugen, wie wir produzieren und konsumieren, uns ernähren und unsere Mobilität gestalten, beeinflusst nicht nur unsere Gesundheit, sondern auch unseren Treibhausgasausstoß. Viele sogenannte Zivilisationskrankheiten, die in den meisten Ländern den Hauptteil der Krankheitslast ausmachen, gehen somit auf dieselben Ursachen zurück wie der Klimawandel. Allein die Luftverschmutzung, welche maßgeblich durch das Verbrennen fossiler Brennstoffe bedingt ist, führt jährlich zu etwa 3 Millionen vorzeitigen Todesfällen weltweit.4

Daher bedeutet die Umstellung unserer Wirtschaft und Gesellschaft auf eine neutrale Treibhausgasbilanz gleichzeitig eine große Chance für die Prävention von Krankheiten. So sind durch vermehrte körperliche Aktivität, eine ausgewogenere, fleischarme Ernährung, eine verbesserte Luftqualität und grünere Städte eine Reduktion vieler Zivilisationskrankheiten wie Herz-Kreislauf-, Atemwegs- und Krebserkrankungen sowie Diabetes und Übergewicht zu erwarten,5 einschließlich Entlastungen bei entsprechenden gesundheitlichen und wirtschaftlichen Folgekosten.

Internationale Einbettung

Wir sind inspiriert durch eine steigende Zahl an Initiativen und Bündnissen von Gesundheitsakteuren aus aller Welt6. Große wissenschaftliche Fachgesellschaften und andere Organisationen im Gesundheitsbereich, renommierte medizinische Fachjournale wie auch Einzelpersonen verweisen seit Jahren auf die Gefahren des Klimawandels für die Gesundheit und engagieren sich zu diesem Thema.7

Ziele

Die Umsetzung der deutschen und internationalen Klimaziele ist von höchster Wichtigkeit. Im Pariser Abkommen8 wurde vereinbart, bis 2050 eine nahezu neutrale Treibhausgasbilanz zu erreichen, damit die globale Erwärmung auf unter 2 Grad Celsius begrenzt bleibt. Um den dazu notwendigen, weitgehenden Verzicht auf fossile Energieträger zu erreichen, benötigen wir entschlossenes politisches Handeln und die Einbeziehung aller gesellschaftlichen Akteure. Hierzu wollen wir einen Beitrag leisten, indem wir …

… die Öffentlichkeit sowie Vertreter von Politik und Wirtschaft über die Gefahren des Klimawandels für die Gesundheit aufklären, Handlungsempfehlungen zum Schutz der menschlichen Gesundheit geben und uns in relevante politische Prozesse einbringen;

… weitere Angehörige des Gesundheitssektors über den Klimawandel informieren, und sie ermutigen und befähigen, wirksame Antworten zu entwickeln;

… die eigene Treibhausgasbilanz thematisieren und darauf hinwirken, dass Einrichtungen der Gesundheitsversorgung und Organisationen der Gesundheitsberufe ihren eigenen ökologischen Fußabdruck verringern.9 Des Weiteren rufen wir sie dazu auf, etwaige finanzielle Beteiligungen an der fossilen Brennstoffindustrie zu beenden;10

… uns in den Gesundheitsberufen für eine Verbesserung der Aus- und Weiterbildung zum Thema Klimawandel einsetzen;

… uns für die Förderung von Forschung und Bildung zu Klimawandel und Gesundheit, sowie eine Stärkung der Gesundheitsdienste einsetzen, damit diese den Auswirkungen des Klimawandelswirksam begegnen können;

… uns dafür stark machen, dass bei allen Klimaschutzmaßnahmen Aspekte öffentlicher Gesundheit einbezogen und die gesundheitlichen Folgen und Vorteile abgeschätzt werden, einschließlich ökonomischer Aspekte.

 

Für die Gründungsmitglieder:

Linda Avena (Medizinstudentin, München),  Dr. Ludwig Brügmann (Arzt, Berlin), M.Sc. Julia Gogolewska (Health and Environment Alliance, Berlin/Brüssel), Dr. Martin Herrmann (Arzt, München), Dipl.-Psych. Susanne Kraft (Psychologische Psychotherapeutin, Stuttgart/Ulm), Dr. Dieter Lehmkuhl (Arzt, Berlin), Dr. Winfried Zacher (Arzt, Bonn)

 

(→ diese Gründungserklärung als PDF zum Download)

 

Literatur

1 Watts N et al. (2016): The Lancet Countdown: tracking progress on health and climate change. The Lancet 389(10047):1151-1164

2 Smith KR and Woodward A (2014): Human Health: Impacts, Adaptation, and Co-benefits. In: Climate Change 2014: Impacts, Adaptation and Vulnerability. Part A: Global and Sectoral Aspects. Contribution of Working Group II to the Fifth Assessment Report of the Intergovernmental Panel on Climate Change. Cambridge University Press, UK/USA;  sowie:

Augustin et al. (2017): Gesundheit. In: Brasseur GP, Jacob D, Schuck-Zöller S (Hrsg.): Klimawandel in Deutschland. Entwicklung, Folgen, Risiken und Perspektiven. Springer: Berlin Heidelberg, ISBN 978-3-662-50397-3, S. 137-149.

3 Watts N et al. (2015): Health and climate change: policy responses to protect public health. The Lancet 386(10006):1861-1914.

4 Weltgesundheitsorganisation (2016): Ambient air pollution: A global assessment of exposure and burden of disease.  sowie:

Lelieveld J et al (2015). The contribution of outdoor air pollution sources to premature mortality on a global scale, Nature 525, 367–371, doi:10.1038/nature15371.

5 Siehe 3: Watts et al. (2015) sowie Haines A (2017): Health Co-benefits of Climate Action. The Lancet Planetary Health 1(1), e4-35, doi:10.1016/S2542-5196(17)30003-7.

6 Beispiele: Weltgesundheitsorganisation, Weltärztebund, „Commision on Health and Climate Change“ der Fachzeitschrift „The Lancet“, Forschungskooperation „Lancet Countdown“, Global Climate and Health Alliance, UK Health Alliance on Climate Change, Climate and Health Alliance Australia, The Medical Society Consortium on Climate and Health (USA)

7 Ramanthan V und Haines A (2016): Health care professionals must lead on climate change, BMJ 355:i5245, doi:10.1136/bmj.i5245.

8 United Nations Framework Convention on Climate Change (2015): Paris Agreement (deutsche Version: Übereinkommen von Paris).

9 Die CO2 Emissionen des Gesundheitssektors werden auf etwa 8% der gesamten CO2 Emissionen (USA) bzw. 38% der Emissionen des öffentlichen Sektors beziffert (National Health Service England). Quellen: Health Care Without Harm: Health Care’s Climate Footprint (Webseite, abgerufen am 21.1.2018), sowie:  Health Care Without Harm (2016): Reducing Healthcare’s Climate Footprint: Opportunities for European Hospitals and Health Systems (Report).

10 Dazu rufen der Weltärztebund und mehrere nationale Ärzteverbände auf, siehe z.B. World Medical Associaton (2016): WMA Statement on Divestment from Fossil Fuels, sowie Owens B (2014): BMA votes to end investment in fossil fuels. CMAJ 186(12), E442, doi:10.1503/cmaj.109-4857.

Letzte Aktualisierung: 27.02.2018