
Was wir tun
Die AG Kollaps beschäftigt sich mit der Frage, wie wir als Menschen aus dem Gesundheitssystem unter Bedingungen multipler Krisen handlungsfähig, solidarisch und gesund bleiben können. Ausgangspunkt unserer Arbeit sind die Klimakrise, das Überschreiten weiterer planetarer Grenzen, soziale Ungleichheit sowie gesellschaftliche und politische Instabilitäten.
Wir setzen uns mit möglichen Kollapsdynamiken auseinander – also mit Entwicklungen, bei denen Systeme wie Gesundheitsversorgung, demokratische Strukturen, Infrastruktur, Ökosysteme, kulturelles Leben, Wirtschaft und Finanzen unter starken Druck geraten oder teilweise ausfallen können. Dabei interessiert uns nicht nur ein mögliches plötzliches Ereignis (z.B. ein Stromausfall), sondern auch die schleichende Destabilisierung mit dem Verlust von Sicherheit und Vorhersehbarkeit.
Die AG bietet Raum für gemeinsames Lernen, Reflektieren und Handeln. Wir beschäftigen uns unter anderem mit Fragen wie:
- Wie können wir uns solidarisch auf Krisen vorbereiten?
- Welche Konsequenzen ergeben sich für Ausbildung, Beruf und die strategische Ausrichtung im Gesundheitssystem?
- Wie können körperliche und psychische Gesundheit / Resilienz gestärkt werden?
- Wie können wir über Kollaps sprechen, ohne Angst zu verstärken oder zu lähmen?
- Wie können wir mit dieser Perspektive zu transformativem Handeln beitragen?
- Welche Rolle spielen dabei eine Auseinandersetzung mit dystopisch anmutenden Szenarien und eine Verringerung von Verdrängung?
- Wie können gerade in der Auseinandersetzung mit dem Kollaps neue Hoffnung und Lebensfreude entstehen?
Dabei orientieren wir uns am Planetary Health Pledge mit dem Ziel, konkrete, alltagstaugliche Handlungsoptionen für unterschiedliche Tätigkeitsfelder im Gesundheitssystem zu finden.
Warum das wichtig ist
Wir leben seit einigen Jahren in einer spürbar veränderten Welt. Die Pandemie, Krieg in Europa, Trumps Wiederwahl in den USA, das Erstarken von Rechtspopulismus und -extremismus und der damit verbundene Backlash, neue Hitzeextreme, Inflation und wirtschaftliche Unsicherheit, rasante Entwicklungen im Bereich der künstlichen Intelligenz … – all das zeigt: Wir erleben zeitgleich mehrere, sich häufig überlappende Krisen und Herausforderungen. Sicher geglaubte Grundsätze, Strategien und „theories of change“ geraten ins Wanken. Wir nehmen diese radikal veränderte Situation ernst und fragen uns, wie wir auch in unserem Engagement neue Antworten finden können.
Dazu zählt auch die Auseinandersetzung mit möglichen Szenarien einer drei Grad wärmeren Welt. Denn unser Gesundheitssystem ist von vielen Faktoren abhängig: Mit ökologischen Krisen assoziierte Störungen durch Extremwetter, Lieferengpässe, Energieausfälle, politische Polarisierung oder Produktionsausfälle und Personalmangel wirken sich bereits heute auf Versorgungssysteme und den Alltag vieler Menschen aus.
Wir sind überzeugt: Nur wenn wir den Herausforderungen ehrlich begegnen und authentische Zukunftsvisionen entwickeln, können wir Strategien erarbeiten, um angemessen zu handeln. Die Auseinandersetzung mit möglichen Kollapsdynamiken führt unserer Erfahrung nach nicht zu Resignation, sondern zu Vorbereitung, Orientierung und gegenseitiger Unterstützung.
Gerade im Gesundheitswesen braucht es Räume, in denen Unsicherheit, Sorge und Trauer angesprochen werden können. Die AG möchte dazu beitragen, dass Menschen auch unter schwierigen Bedingungen wertegeleitet handeln und Versorgung möglichst gerecht und menschlich gestalten können.
Was wir bisher erreicht haben
Die AG befindet sich im Aufbau. Bereits jetzt ist ein interdisziplinärer Raum entstanden, in dem wir offen über Zukunftsszenarien, Ängste, Verantwortung und Vorbereitungsmöglichkeiten sprechen.
Wir arbeiten daran,
- Wissen zu Kollapsdynamiken und gesellschaftlicher Resilienz zusammenzutragen,
- praktische Handlungsmöglichkeiten für unterschiedliche Berufsgruppen zu entwickeln,
- das Thema innerhalb von KLUG reflektiert und konstruktiv diskutierbar zu machen,
- Narrative zu entwickeln, die Klima-, Umwelt- und Gesundheitsschutz ins Zentrum stellen und durch einen unerschrockenen Blick auf die Zukunft neu mobilisieren, sowie
- Kooperationen und Austauschformate aufzubauen.
Wie Sie mitmachen können
Die AG freut sich über neue Mitglieder, unabhängig davon, ob sie bereits Vorerfahrung mit dem Thema haben.
Wir möchten einen Raum schaffen, in dem Unsicherheit nicht verdrängt werden muss und gleichzeitig Orientierung, Verbundenheit und neue Impulse, aktiv zu werden, entstehen.
Aktuell finden unsere Treffen einmal im Monat online statt. Melden Sie sich bei Interesse gerne bei uns!
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Kontakt

Hannah Otto

Maurizio Bär

Friederike v. Gierke
Weitere Informationen
Vanessa Machado de Oliveira:
Hospicing Modernity: Facing Humanity’s Wrongs and the Implications for Social Activism (2021)
Andrew Boyd: I Want a Better Catastrophe (2023) /
www.bettercatastrophe.com/flowchart
Joanna Macy: Active Hope: How to Face the Mess We’re in With Unexpected Resilience & Creative Power (2022)
Robin Wall Kimmerer: Braiding Sweetgrass (2015)
Jonathan Franzen: Das Ende vom Ende der Welt, Essays (2019)
Thomas Metzinger: Bewusstseinskultur (2023)
Andreas Weber: Indigenialität (2024)
Tadzio Müller: Zwischen friedlicher Sabotage und Kollaps (2024)
Podcast: The Way Out Is In – Plum Village

