Arbeitsgruppe Divestment

Was wir tun

Seit 2015 adressieren Ärzt:innen angelsächsischen Beispielen folgend ihre Versorgungswerke (Pensionskassen) mit Kampagnen, Schreiben, Publikationen und in persönlichen Gesprächen mit Gremienmitgliedern mit der Forderung, ihre Beteiligungen aus fossilen Energieunternehmen abzuziehen und klimafreundlich zu reinvestieren. Seit ihrer Gründung im Jahr 2018 ist Divestment ein zentrales Handlungsfeld einer gemeinsamen Arbeitsgruppe von KLUG und Health for Future. In ihr sind Mitglieder von etwa neun der bundesweit 16 Versorgungswerke vertreten. Auch Mitglieder anderer berufsständiger Versorgungswerke (Psychotherapeut:innen, Architekt:innen, Pharmazeut:innen und Jurist:innen) arbeiten zumindest zeitweise mit.

Die Mitwirkenden haben sich fachliche Expertise erarbeitet und adressieren auf unterschiedliche Weise einzelne Kammern oder Versorgungswerke. So fordern sie diese zu nachhaltigem Investment auf, Nachhaltigkeitsgrundsätze in ihren Anlagestrategien verbindlich und überprüfbar zu verankern sowie die Anlagerichtlinien und ihre Investitionen offenzulegen. Inzwischen ist der Anspruch an die Versorgungswerke, dass sie perspektivisch ihr Portfolio „Paris-kompatibel“ (Null-Emissionen-Portfolio) ausrichten, den Treibhausgasfußabdruck ihres Portfolios ermitteln, Zwischenziele benennen und diese mit konkreten Maßnahmen unterfüttern.

Das ist nicht utopisch, wenn auch die meisten Versorgungswerke noch weit davon entfernt sind. So hat eine weltweite Allianz, die UN-initiierte Net-Zero Owner Alliance, der zahlreiche auch sehr große Investoren angehören, sich genau dazu verpflichtet und ihre Mitglieder sind dabei, diese Agenda umzusetzen. Derzeit wird ein Konzept für ein Seminar erstellt, um Verantwortlichen berufsständiger Versorgungwerke die Gelegenheit zu geben, sich jenseits üblicher Diskussionsforen auszutauschen und Wege zu erörtern, wie sie ihre Portfolios unter Beachtung der planetaren Grenzen sowie des Nicht-Schadens-Prinzips der ärztlichen Ethik in Einklang mit Klima- und Nachhaltigkeitszielen bringen können.

Warum das wichtig ist

Um das Pariser Klimaziel zu erreichen, muss vor allem die Nutzung fossiler Brennstoffe beendet werden. Hierbei kommt dem Finanzsektor eine zentrale Funktion zu, da immer noch beträchtliche Investitionen in die Förderung fossiler Energien, ja sogar noch in die Erschließung neuer Kohleminen, Öl- und Gasfelder fließen. Forschung zeigt, dass der Finanzsektor ein kurzfristiger Kipppunkt für die Transformation sein kann, wenn Kapital in großem Stil in alternative Energien und klima- und umweltfreundliche Investitionen umgeleitet wird. Inzwischen fließen bereits weit mehr Investitionen in erneuerbare Energien als in fossile Projekte. Diesen Prozess gilt es zu beschleunigen.

Außerdem bergen Investitionen in fossile Energien erhebliche finanzielle Risiken für die Anlagen der Versorgungswerke. Ökonomische Studien zeigen, dass die physischen Risiken der Erderwärmung sowohl durch Extremwetterereignisse und deren Folgen als auch durch langfristige Veränderungen klimatischer und ökologischer Bedingungen, die transitorischen Risiken (durch Umstellung auf eine kohlenstoffarme Wirtschaft, politische Maßnahmen, Durchsetzung neuer Technologien) und Reputationsrisiken (keine gesellschaftliche und politische Akzeptanz von klima- und umweltschädigende Geschäftsmodellen) erhebliche Auswirkungen auf die Rendite von Kapitalanlagen bis zum totalen Wertverlust haben können. Diese Risiken müssen die Versorgungswerke, die die Anlagen ihrer Mitglieder nur treuhänderisch verwalten, berücksichtigen.

Die ärztlichen Versorgungswerke in Deutschland verfügen zusammen über etwa 130 Milliarden Euro Anlagevermögen. Dieses gewaltige Kapital ist ein potenziell großer transformativer Hebel.

Was wir bisher erreicht haben

Die AG Divestment hat verschiedene Online Seminare zum Thema nachhaltige Kapitalanlagen durchgeführt, Expert:innen eingeladen, verschiedene Artikel zur Nachhaltigkeit in Medizinzeitschriften publiziert und war indirekt auch an wissenschaftlichen Untersuchungen zum Anlageverhalten ärztlicher Versorgungswerke und privater Krankenkassen beteiligt. Sie hat Basisinformationen zu nachhaltigen Kapitalanlagen erstellt sowie eine Liste von Best Practice Beispielen, die zeigen, dass es auch anders geht und dass Transparenz und Nachhaltigkeit nicht im Gegensatz zu Rendite stehen müssen – eher im Gegenteil.

Das Thema Nachhaltigkeit scheint inzwischen in vielen Versorgungswerken angekommen zu sein und das Bewusstsein für Klimarisiken ist gewachsen. Mit einigen Versorgungswerken und den Landesärztekammern ist die AG Divestment im Kontakt und adressiert sie mit unterschiedlichem Erfolg. Die Berliner Ärzteversorgung und die Bayerische Versorgungskammer, der auch das Bayerische Versorgungswerk angehört, sind hier offenbar Vorreiter.

Mit einem Finanzinstitut ist die Auflage eines Impact Investment Fonds in Planung, der sich an planetarer Gesundheit ausrichten soll. Zudem gibt es Gespräche mit der Arbeitsgemeinschaft berufsständischer Versorgungswerke (ABV) sowie dem Umweltbundesamt, das eine Konferenz mit Finanzinvestoren, darunter auch ärztliche Versorgungswerke, durchführt und die Seminarreihe fortsetzen will.

Wie Sie mitmachen können

Die Mitglieder der AG Divestment freuen sich über Mitstreiter:innen, insbesondere aus Versorgungswerken, die in der Gruppe noch nicht vertreten sind. Die AG unterstützt bei der Entwicklung von entsprechenden Strategien und ihrer Umsetzung. Ein Starter-Kit vermittelt Basiswissen und Informationen darüber, wie Sie sich zum Thema engagieren können. Die AG trifft sich regelmäßig jeden dritten Mittwoch des Monats über Zoom Meetings. Jährliche persönliche Treffen sind vorgesehen.

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