Wie schützen wir uns vor Hitze?

Informationen, Hilfestellungen und weiterführende Links für 2021

Die vergangenen Jahre waren die wärmsten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Hitzewellen werden aufgrund des Klimawandels und der damit einhergehenden Erderwärmung immer häufiger. Hitzestress und Hitzschlag können leichte bis hin zu schwerwiegende gesundheitliche Einschränkungen zur Folge haben. Um die gesundheitsschädlichen Auswirkungen von Hitze zu lindern oder abzuwenden, ist Vorsorge nötig.

Auf dieser Seite finden Sie Informationen über individuelle Handlungsempfehlungen für heiße Tage und besonders sensitive Risikogruppen sowie Hintergrundmaterialien und Link-Tipps.


Hitze-Tipps

Hitze und ihre Folgen

Hitzestress und hohe bodennahe Ozonkonzentrationen während Hitzewellen können schwerwiegende gesundheitliche Folgen haben, insbesondere bei Kindern, im Freien arbeitende oder ältere Menschen und solche mit Herz-Kreislauf- oder Atemwegserkrankungen. Informationen über die gesundheitlichen Auswirkungen von Hitze finden Sie unter:

Risikogruppen bei Hitzebelastungen

Menschen ab dem 65. Lebensjahr

Vor allem, wenn sie alleine leben und pflegebedürftig sind (ältere Menschen schwitzen weniger und kühlen deshalb weniger leicht ab, viele trinken weniger)

Säuglinge und Kleinkinder

(Kleine Kinder schwitzen weniger und können deshalb ihre Körpertemperatur nicht so gut regulieren, vor allem bei Autofahrten schützen)

Schwangere

(ihr Körper produziert mehr Wärme durch erhöhten Stoffwechsel und Blutzirkulation)

Menschen mit Übergewicht

(kleine Körperoberfläche im Verhältnis zur Körpermasse erschwert Abkühlung)

Personen, die körperlich schwer und im Freien arbeiten, oder intensiv Sport treiben

Obdachlose

Menschen mit folgenden chronischen Erkrankungen

Diabetes mellitus und andere endokrine Störungen (verringerte Wärmeableitung durch Durchblutungsstörungen, reduziertes Schwitzen, Stoffwechselprobleme)

Herz-Kreislauf-Leiden (z.B. gestörte Temperaturregelung, erhöhtes Thrombose- und Ischämierisiko, eingeschränkte Nierenfunktion, geänderte Blutzusammensetzung)

Asthma, Bronchitis, COPD (Hitze verschärft Risikofaktoren durch Luftverschmutzung, erschwerte Wärmeableitung durch Weitung der peripheren Gefäße)

Neurologische Erkrankungen (z.B. Parkinson) (eingeschränkte Mobilität)

Nierenleiden (Ungleichgewicht von Elektrolyten und Wasser, vor allem bei Älteren, schwächt die Nierenfunktion)

Menschen, die Medikamente einnehmen,

welche die Temperaturregulierung, das Schwitzen und die kognitive Wachsamkeit einschränken, die Gefäßspannung und den Blutdruck beeinflussen. Dazu zählen:

Anticholinerge Arzneimittel
Antipsychotika
Antihistaminika
Mittel gegen Parkinson
Antidepressiva
Anxiolytika und Mittel zur Muskelentspannung
Antiadrenertika und Betablocker
Sympathomimetika
Antihypertensiva und Diuretika
Antiepileptika

Hinweise für Ärztinnen und Ärzte

• Antifiebermittel nützen nicht gegen Aufheizung des Körpers, sondern können bei Hitze für Leber und Nieren schädlich sein.
• Bei Patient*innen, die unentbehrliche Medikamente einnehmen müssen, sollte besonders auf kühle Umgebung geachtet werden.
• Notfallmedikamente wie Antibiotika, Adrenergi­ka, Insulin, Analgetika und Sedativa verlieren bei Lagerung über 25 Grad Celsius an Wirksamkeit.

Zusätzliche Risikofaktoren

• schneller Temperaturwechsel: Der Organismus hat keine Zeit, sich anzupassen
• bodennahes Ozon (reizt Augen und Schleimhäute und kann zu Atemwegsproblemen führen)
• Luftverschmutzung (verstärkt andere Risikofaktoren)
• intensive UV-Strahlung (erhöht nicht nur das Risiko für Hautkrebs, sondern schwächt auch das Immunsystem)

Hitzeschutz-Empfehlungen

• körperliche Aktivität auf die kühleren Morgen- und Abendstunden reduzieren, mittags eine Siesta einlegen

• Fenster (evtl. auch Jalousien, Vorhänge) geschlossen lassen, außen angebrachte Rolläden und Fensterläden sind der beste Schutz

• den Körper abkühlen (Fuß- und Armbäder mit kühlem Wasser, kühlende Lotions)

• Aufenthalt in nicht-klimatisierten Fahrzeugen vermeiden

• Medikamente kühl lagern

• Weite, leichte und atmungsaktive (helle) Kleidung tragen

• Luftbewegung erzeugen: Fächer oder Ventilator nutzen

• Sonnencreme verwenden, Hut aufsetzen (das Gehirn ist besonders gefährdet)

• Stündlich ein Glas Wasser trinken – auch ohne Durstgefühl! Geeignet sind Leitungswasser, Mineralwasser, gekühlter Kräutertee ohne Zuckerzusatz, Tee mit Minze und Zitrone (nicht eiskalt)

• Leichte kühlende Mahlzeiten einnehmen (z.B. kalte Suppen, Gazpacho), Lebensmittel mit hohem Wassergehalt, z. B. Obst, Gemüse und Salat

• Meiden von Kaffee, stark gezuckerten und alkoholischen Getränken (auch Bier), sie entziehen Flüssigkeit

• Reduzieren von eiweißreichen Nahrungsmitteln wie Fleisch, Fisch, Milchprodukten, Hülsenfrüchten und Nüssen, sie erhöhen die Körperwärme

(Quellen: T. Grothmann et al: Der Hitzeknigge, hrsg. vom Umweltbundesamt, Dessau 2021; WHO Europa, Gesundheitshinweise zur Prävention hitzebedingter Gesundheitsschäden, Kopenhagen 2019)

Zu den weitreichenden Folgen der Hitze für die Gesundheit siehe auch das Buch von KLUG-Mitglied Claudia Traidl-Hoffmann und Katja Trippel: Überhitzt. Die Folgen des Klimawandels für unsere Gesundheit. Was wir tun können. Berlin 2021.

Hitzeaktionspläne

Um die gesundheitsschädlichen Auswirkungen von Hitze zu lindern oder abzuwenden, ist Vorsorge nötig. Hitzewarnungen durch den Wetterdienst, Informationen für die Bevölkerung, wie auch Ärzt*innen und Pflegeeinrichtungen, sowie städteplanerische und bauliche Maßnahmen sollten in Hitzeaktionsplänen zum Schutz der Gesundheit zusammengeführt werden.
Entsprechende Handlungsempfehlungen hat das Bundesministerium für Umwelt und Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) 2017 veröffentlicht. Sie wurden von einzelnen Städten und Bundesländern aufgegriffen, jedoch nicht bundesweit realisiert. Das rasch zu ändern, ist auch eine zentrale Empfehlung des Lancet Countdown Policy Briefs für Deutschland 2019. 

Hitzeaktionspläne

Handlungsempfehlungen für die Erstellung von Hitzeaktionsplänen
zum Schutz der menschlichen Gesundheit, BMU (pdf)


Symposium: “Hitze – das unterschätzte Risiko”

Online-Symposium “Hitze – das unterschätzte Risiko”
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Vorträge:
0:04:16 Prof. Dr. Dipl.-Geol. Hans-Christian Gunga, Charité, Zentrum für Weltraummedizin und extreme Umwelten:
Hitzephysiologie und Grenzen der Hitzeanpassung

0:18:44 Dr. med. Uta Liebers (i.V. für Prof. Dr. med. Christian Witt), Charité:
„Klinik der Hitzeerkrankungen und Medikamentenanpassungen“

0:35:23 Dr. Max Bürck-Gemassmer, Hausarzt:
„Hitzeerkrankungen in der Praxis und im Rettungsdienst“

0:44:42 Dr. Katrin Steul, Gesundheitsamt Frankfurt:
„Hitze im öffentlichen Gesundheitsschutz“

0:59:14 PD Dr. Stephan Böse-O’Reilly, LMU München, AG-Leiter Globale Umweltmedizin:
„Hitzeschutz und Covid Massnahmen, Hitzeschutz in Pflegeeinrichtungen“

1:07:50 Prof. Dr. Andreas Matzarakis, Zentrum für Medizin-Meteorologische Forschung des Deutschen Wetterdienstes in Freiburg:
„Angebote des Deutschen Wetterdienstes für Kliniker:innen“

1:15:45 PD Dr. Hans-Guido Mücke, Umweltbundesamt:
„Pilotprojekt ‚Hitzeaktionspläne‘ in Köln“

1:30:38 Dr. Alina Herrmann, Institut für Global Health Universität Heidelberg:
„Gesundheitshinweise zu Hitze für verschiedene Zielgruppen in Deutschland“


Infoblätter und Link-Tipps

Hitze-Infoblatt Allgemein

Informationen zum Gesundheitsschutz in Hitzewellen während der COVID-19 Pandemie (pdf)

Klima – Mensch – Gesundheit

Hitzeschutz auf der neuen Informationsseite der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (Website)

Hitzewarnungen

Hitzewarnsystem des Deutschen Wetterdienst (Website), Newsletter Anmeldung (Website)

Informationsbroschüren

für Ärzt:innen, Pflegende, pflegende Angehörige, LMU Klinikum München (pdf)

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