Kindergesundheit

Der Lancet betitelte seinen Countdown on climate change and health 2019 folgendermaßen: “Ensuring that the health of a child born today is not defined by a changing climate“ (“Gewährleisten, dass die Gesundheit eines heute geborenen Kindes nicht durch den Klimawandel definiert ist”).[1] Dies zeigt die Bedeutung des Themas ‘Klimawandel und Gesundheit’ für künftige Generationen.

Ein Kind, dass heute geboren wird, wird in einer Welt leben, die durchschnittlich 4°C wärmer sein wird als zu Beginn der Industrialisierung. Die Folgen der Erderwärmung wirken sich auf die menschliche Gesundheit in jedem Lebensabschnitt aus, von Geburt an über Adoleszenz bis ins Alter. Sie addieren sich über ein Leben hinweg auf, was sie weiter negativ stärkt.
Kinder sind weltweit am schlimmsten von der Klimakrise beeinträchtigt. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) geht davon aus, dass weltweit 88% der Krankheitslast, die dem Klimawandel zuzuordnen ist, Kinder unter fünf Jahren betrifft.
Innerhalb dieser besonderen Risikogruppe werden als erstes Kinder aus instabilen sozioökonomischen Verhältnissen betroffen sein. [2]

Ernährungsunsicherheit durch Abnahmen in der globalen Nahrungsmittelproduktion betreffen vor allem Kleinkinder: Unterernährung kann bei ihnen zu langfristigen, irreversiblen Schäden führen.

Kinder sind auch die anfälligste Gruppe für infektiöse Durchfallerkrankungen und erleiden die schwersten Verläufe unter einer Dengue Fieber-Infektion. Die Übertragungswahrscheinlichkeit dieser und anderer Infektionskrankheiten steigt seit dem letzten Jahrzehnt kontinuierlich an und wird weiter zunehmen (siehe auch „Zunahme von Infektionskrankheiten“). [1]

Ebenfalls zunehmen werden allergene Pflanzen, ihre Vegetationsperioden und damit der Pollenflug über das Jahr hinweg. [11] Davon sind besonders Kinder mit Asthma und Allergien betroffen.[2]

Während des Heranwachsens und darüber hinaus addiert sich die Belastung des Körpers durch Luftverschmutzung auf und kann Herz, Lunge und jedes andere wichtige Organ beeinträchtigen (siehe auch „Häufigere Atemwegserkrankungen“). So finden sich im Erwachsenenalter jährlich weltweit 7 Millionen vorzeitige Todesfälle durch unsaubere Luft, aber auch Kinder sind bereits direkt betroffen.[3]

So wurde im Dezember 2020 gerichtlich entschieden, dass der Tod des neunjährigen Mädchens Ella Kissi-Debrah in England durch Luftverschmutzung verursacht wurde.[4] Ein juristischer als auch medizinischer Präzedenzfall, da es bisher noch nie eine Todesbescheinigung mit der Todesursache Luftverschmutzung gab.[5]

Kinder sind von unsauberer Luft besonders betroffen: Sie atmen pro Kilo Körpergewicht mehr Feinstaubpartikel ein, haben eine höhere Atemfrequenz und verbringen mehr Zeit im Freien als Erwachsene. Dazu bewegen sie sich durch ihre Körpergröße in einer besonders ungünstigen Zone, in der die Schadstoffe besonders konzentriert sind – nicht weit vom Auspuff entfernt. [2]

Auf die Schwangerschaft wirken sich sowohl Luftverschmutzung als auch Hitzewellen negativ aus, da sie die werdende Mutter belasten. So kann es dazu kommen, dass Kinder zu früh und mit einem zu geringen Gewicht geboren werden und die Lungenentwicklung beeinträchtigt ist. Außerdem erhöht sich das Risiko für Infektionen in den tiefen Atemwegen und die Wahrscheinlichkeit im Kindesalter Asthma zu bekommen. [2, 10]

Kinder sind ebenso wie der ältere Teil der Bevölkerung besonders vulnerabel gegenüber den gesundheitlichen Folgen von Hitzewellen. Die Fähigkeit, ihre Körpertemperatur zu regulieren, und zur Schweißproduktion ist in jungen Jahren noch nicht vollständig ausgebildet.[6] Dazu spielen sie häufiger im Freien in der Hitze, trinken selten eigenständig und sind oft von ihren Bezugspersonen abhängig.[7] Während Hitzewellen werden vermehrt Kinder in den Notaufnahmen registriert, die dort aufgrund von Hitzestress, Erschöpfung oder Nieren- und Lungenerkrankungen erscheinen.[8Das gilt besonders für Kinder mit Vorerkrankungen wie Diabetes oder Übergewicht.[9]

Naturkatastrophen wie Starkniederschlag, Überschwemmungen und andere Extremwetterereignisse können besonders bei Kindern zu psychischer Belastung führen, da sie weniger Bewältigungsstrategien haben als Erwachsene. Das frühe Erleben einer solchen Naturkatastrophe erhöht lebenslang das Risiko für Angststörungen und Stimmungsschwankungen. [12]

Mit dem weiteren Voranschreiten des Klimawandels in den kommenden Jahrzehnten sind heutige und zukünftige Generationen von den gesundheitlichen Folgen bedroht. Deshalb ist es unverzichtbar, das Pariser Klimaziel zu erreichen und die Erderwärmung auf 1,5°C zu begrenzen.


Textredaktion: Maja Finkenstaedt & Petra Thorbrietz

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