KLUG ist Partner des 127. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin: „Von der Krise lernen“

15. April 2021 Allgemein

KLUG ist Partner des 127. DGIM-Kongresses

„Von der Krise lernen“ ist das Motto des 127. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM). Dieser dreht sich nicht nur um die Pandemie-Folgen, sondern setzt prominent die weit größere Krise der planetaren Gesundheit auf die Tagesordnung. Die DGIM hat die Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit (KLUG) als Partner erkoren – mit wissenschaftlichen Veranstaltungen wie „Klinik der Klimawandelfolgen“, „Auf dem Weg zum klimaneutralen Krankenhaus“ oder auch „Welche Verantwortung haben Ärztinnen und Ärzte?“ 

Informationen auf der KLUG-Webseite im Rahmen des DGIM-Kongresses:

Pressemeldung der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin vom 15. April 2020:

127. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin: „Von der Krise lernen“

Gefahren von Epidemien und Hitzewellen
Gesundheitsfolgen des Klimawandels – Was können Ärztinnen und Ärzte tun?


Wiesbaden, April 2021 – Ein Virus, das mutmaßlich von Fledermäusen auf den Menschen übergegangen ist, hält derzeit die ganze Welt in Atem. Doch am Horizont zieht mit dem Klimawandel die noch deutlich einschneidendere globale Krise herauf. Beide werfen ein Schlaglicht auf unseren Umgang mit Natur und Ressourcen und die Folgen daraus. Denn die Veränderung des Lebensraums von Tieren begünstigt die Übertragung tierischer Erreger auf den Menschen und Ausbrüche von Epidemien. Und die Umwelt- und Klimakrise bringt noch weitere Bedrohungen mit sich, etwa zunehmende Hitzewellen und Luftverschmutzung. Die gesundheitlichen Folgen des Klimawandels, die Frage, wie Ressourcen- und Umweltschutz in Klinik und Praxis im Alltag aussehen kann und die besondere Verantwortung von Ärztinnen und Ärzten, sowohl in der aktuellen Coronapandemie als auch in der Klimakrise, sind zentrale Themen des 127. Internistenkongresses, der vom 17. bis 20. April 2021 digital stattfindet.

Nicht nur aus Sicht von Umweltschützern, sondern auch der von Medizinern stellen der Klimawandel und die Folgen menschlicher Eingriffe in die Natur zunehmend ein Problem dar: Unter anderem steigt damit das Risiko, dass Erreger auf den Menschen übergehen und sich in Epidemien und Pandemien verbreiten. Diese Zusammenhänge sind seit Längerem bekannt, französische Wissenschaftler bestätigen sie in einer aktuellen Untersuchung einmal mehr. Gleichzeitig sind die Folgen von Treibhauseffekt und Erderwärmung in Krankenhäusern und Arztpraxen heute schon angekommen. „Wir beobachten in den vergangenen Jahren, dass immer mehr Menschen mit internistischen Erkrankungen etwa der Lunge oder des Herzens zu uns kommen, deren Ursache oder Verlauf direkt oder indirekt am Klimawandel liegen können“, sagt Professor Dr. med. Georg Ertl, Generalsekretär der DGIM.

Eine Ursache vieler Entgleisungen, die mit dem Klimawandel zusammenhängen: Hitzewellen mit Temperaturen von über 30 Grad Celsius haben nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes in Deutschland seit den 1990er Jahren deutlich zugenommen. „Solche Hitzewellen machen sich auch in unseren Notaufnahmen bemerkbar“, berichtet Ertl. „Im vergangenen Jahrzehnt traten etwa deutlich mehr Herzinfarkte im Zusammenhang mit Hitzewellen auf als in den zehn Jahren davor“, erklärt der Würzburger Kardiologe. Statistiken zeigen außerdem, dass an Tagen mit einer Temperatur über 30 Grad Celsius die Sterbequote um etwa zehn Prozent und die der Krankenhauseinlieferungen um fünf Prozent ansteigt. Mit den gesundheitlichen Folgen des Klimawandels werden vor allem zukünftige Generationen zu kämpfen haben. „Hitzewellen, Luftverschmutzung, die Ausbreitung neuer Infektions­krankheiten oder die Verlängerung der Allergie-Perioden sind nur einige der Auswirkungen des Klimawandels, die sich in Zukunft noch stärker als bisher zeigen werden“, erklärt Dr. med. Martin Herrmann, Vorsitzender der Deutschen Allianz Klimawandel und Gesundheit e. V. (KLUG). Der Verein klärt über die gesundheitlichen Folgen des Klimawandels auf und organisiert dafür auf dem 127. Internistenkongress mehrere Veranstaltungen.

Den „ökologischen Fußabdruck“ in Klinik und Praxis reduzieren

Der KLUG-Vorsitzende Herrmann sieht den Gesundheitssektor im Klimawandel in einer besonderen Verantwortung. „Der Gesundheitssektor verursacht mehr als fünf Prozent der deutschen Klima-Emissionen und ist für fünf Prozent des Rohstoffverbrauchs verantwortlich“, erklärt Herrmann. Nach einem Bericht des Umweltbundesamtes besteht vor allem in den Feldern Arzneimittel, Medizinprodukte, Bauen sowie Lebensmittel- und Getränkeversorgung Potenzial, den Rohstoffverbrauch zu senken. Aus hygienischen Gründen kommen im Medizinbetrieb viele Einwegprodukte zum Einsatz. „Damit fallen enorme Mengen Sondermüll an. Hier müssen wir umweltverträgliche Alternativen vorantreiben, mit denen gleichzeitig die Hygiene-Standards gewahrt werden können“, sagt DGIM-Generalsekretär Ertl. „Denn auch wir Mediziner müssen uns bemühen, im Krankenhaus oder der Arztpraxis den ‚ökologischen Fußabdruck’ zu reduzieren“, so der Würzburger Experte. Die DGIM könne hier mit ihren 27 000 Mitgliedern einen deutlichen Beitrag leisten.

Stellung beziehen in der öffentlichen Diskussion – Parallelen zur Coronakrise

Aufgrund ihres hohen gesellschaftlichen Ansehens kommt Ärztinnen und Ärzten in der hoch emotionalisierten und stark politisch motivierten Debatte um die Folgen des Klimawandels eine besondere Rolle zu. Hier zeigen sich Parallelen zur aktuellen Krise: „Genau wie in der Coronapandemie, gibt es beim Thema Klimawandel Personen, die ihn ganz abstreiten oder seine Folgen klein reden“, sagt Professor Dr. med. Sebastian Schellong, Präsident des 127. Internistenkongresses. „Als Mediziner und Wissenschaftler ist es unsere Verantwortung, diesen Strömungen immer wieder die Erkenntniswege und Fakten der Wissenschaft entgegenzusetzen“, so der Chefarzt der II. Medizinischen Klinik am Städtischen Klinikum Dresden. Denn letztere seien eindeutig: Der Klimawandel stellt eine ernstzunehmende Bedrohung für unsere Gesundheit dar. Medizinerinnen und Mediziner seien in einer besonderen Verantwortung gegenüber Patienten und der Öffentlichkeit, auf wissenschaftliche Fakten hinzuweisen und so auch für Nachhaltigkeit und globalen Gesundheitsschutz zu werben.


Terminhinweise:


Gesellschaftliche Implikationen der Krise
Sitzung
Termin: Samstag, 17. April 2021, ab 10.45 Uhr | Kanal 1
Mehr: https://events.mcon-mannheim.de/frontend/index.php?page_id=6160&v=List&do=15&day=341&ses=9157#anker_session_9157


Klinik der Klimawandelfolgen
Sitzung
Termin: Samstag, 17. April 2021, ab 14.45 Uhr | Kanal 14
Mehr: https://events.mcon-mannheim.de/frontend/index.php?page_id=6160&v=List&do=15&day=341&ses=10534#anker_session_10534


Auf dem Weg zum klimaneutralen Krankenhaus
Sitzung
Termin: Sonntag, 18. April 2021, ab 09.00 Uhr | Kanal 15
Mehr: https://events.mcon-mannheim.de/frontend/index.php?page_id=6160&v=List&do=15&day=342&ses=10535#anker_session_10535


Global denken, lokal handeln – Was junge ÄrztÏnnen im Klinikalltag tun können, um den Klimaschutz zu fördern
Sitzung
Termin:  Sonntag, 18. April 2021, ab 14.45 Uhr | Kanal 16
Mehr: https://events.mcon-mannheim.de/frontend/index.php?page_id=6160&v=List&do=15&day=342&ses=10825#anker_session_10825


Klimawandel und Gesundheit – welche Verantwortung haben Ärztinnen und Ärzte?
Sitzung
Termin: Montag, 19. April 2021, ab 10.45 Uhr | Kanal 1 (Hauptsitzungen)
Mehr: https://events.mcon-mannheim.de/frontend/index.php?page_id=6160&v=List&do=15&day=343&ses=9213#anker_session_9213


Klimakrise als medizinischer Notfall – Wie Bewohnbarkeit unseres Planeten, menschliche und planetare Gesundheit zusammenhängen
Sitzung
Termin: Montag, 19. April 2021, ab 14.45 Uhr | Kanal 14
Mehr: https://events.mcon-mannheim.de/frontend/index.php?page_id=6160&v=List&do=15&day=343&ses=10536#anker_session_10536


Auf dem Weg zur klimaneutralen Praxis
Sitzung
Termin: Dienstag, 20. April 2021, ab 14.45 Uhr | Kanal 16
Mehr: https://events.mcon-mannheim.de/frontend/index.php?page_id=6160&v=List&do=15&day=344&ses=10537#anker_session_10537


Quellen:

-Karliner J, Slotterback S, Boyd R, Ashby B, Steele K (2019) Health care climate footprint report. https://noharm-global.org/sites/default/files/documents-files/5961/HealthCaresClimateFootprint_092319.pdf

-Morand S, Lajaunie C (2021) Outbreaks of Vector-Borne and Zoonotic Diseases Are Associated With Changes in Forest Cover and Oil Palm Expansion at Global Scale. Front. Vet. Sci. 8:661063. doi: 10.3389/fvets.2021.661063

-Ostertag K, Bratan T, Gandenberger C, Hüsing B, Pfaff M (2021) Ressourcenschonung im Gesundheitssektor – Erschließung von Synergien zwischen den Politikfeldern Ressourcenschonung und Gesundheit. ISSN 1862-4804. https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/5750/publikationen/2021-01-25_texte_15-2021_ressourcenschonung_gesundheitssektor.pdf


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