Investing in Humanity

17. Februar 2020 Allgemein

Britisch Medical Journal startet Kampagne zum Divestment aus fossilen Energien.

Das renommierte British Medical Journal ruf zum Divestment aus fossilen Brennstoffen auf. In ihrem Editorial, das Ende Januar erschien, beziehen sich die Chefredakteurin, Fiona Godlee und der leitende Redakteur Kamran Abbasi auf die „Verpflichtung gegenüber den Menschen, denen wir dienen, und gegenüber zukünftigen Generationen“ und sie betonen: Wir können handeln, indem wir unser Geld aus einer gesundheitsschädlichen Industrie abziehen.“

Divestment, so die Argumente, biete Gesundheitsfachkräften und  -organisationen eine Gelegenheit, Politiker und die Industrie zu einem Verhalten zu bewegen, das besser für den Planeten und die Gesundheit der Menschen sei. Außerdem warnten auch wichtige große Finanzinstitute und immer öfter auch große Investoren davor, dass Anlagen in der Fossilwirtschaft drohten, ihren Wert zu verlieren. Sie betrieben Deinvestment und erklärten, fossile Unternehmen nicht mehr finanzieren oder versichern zu wollen.

Die Autoren verweisen auf Parallelen zum Divestment aus der Tabakindustrie. Auch deren Produkte seien schädlich, und es sei gut dokumentiert, wie die Industrie die Wissenschaft manipuliert habe. Die Gewinnung fossiler Brennstoffe, so die Autoren, schade unserem Planeten, ihre Produkte der Gesundheit. Sie verursachten globale Konflikte, heizten durch ihre CO2-Emissionen das Klima an und verkürzten die Lebenszeit durch Luftverschmutzung. Dennoch weigerten sich die Politiker, ihre politischen und wirtschaftlichen Verbindungen zur fossilen Brennstoffindustrie aufzugeben, und die fossile Industrie manipuliere die Wissenschaft, um die negativen Auswirkungen ihrer Geschäfte herunterzuspielen.

Erst kürzlich hatte eine Studie internationaler Wissenschaftler zu den sozialen Kipppunkten eines notwendigen Systemwechsels darauf verwiesen, dass Divestment und klimaneutrale Stromerzeugung die wichtigsten kurzfristigen Treiber für die notwendige Transformation seien (https://www.pik-potsdam.de/aktuelles/pressemitteilungen/gesellschaftliche-kippmechanismen-konnen-den-durchbruch-zur-klimastabilisierung-auslosen).

In Deutschland hatten sich 2015/2016 etwa 3.000 Ärzt*innen und mehrere Medizinerorganisationen unter dem Motto fossil free health mit einem Appell an ihre Pensionskassen gewandt und diese aufgefordert, ihre Beteiligungen an fossilen Energieunternehmen zu beenden. Diesem Appell, initiiert von Personen, die später KLUG mitgründeten, hat zumindest die Berliner Ärzteversorgung teilweise entsprochen. Auch auf Deutschen Ärztetagen gab es wiederholt Anträge zu Divestment bzw. zur Berücksichtigung von sozialen, ethischen und ökologischen Kriterien bei der Vermögensanlage (https://germanwatch.org/de/11908).

Das Editorial endet mit dem Aufruf, die BMJ Online-Verpflichtungserklärung zum Divestment aus fossilen Brennstoffunternehmen (https://bit.ly/bmjdivestment) zu unterzeichnen, verbunden mit der Bitte, das  Bekenntnis in den persönlichen Finanzen umzusetzen und sich auch in den medizinischen Organisationen, denen man angehört, dafür einzusetzen (https://www.bmj.com/content/368/bmj.m167?fbclid=IwAR2i_LsAGUH13McJHzP-1C7wgfYxnDU1FNViBA9b7tlXfttXDWUzj75GfoU).