Leopoldina: Bei Konjunkturprogrammen Weichen für Nachhaltigkeit stellen

14. April 2020 Allgemein

In ihrer 3. Stellungnahme zur Coronavirus-Pandemie vom 13. April 2020 empfiehlt die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina, die historische Chance nicht zu vertun und die Krise mit nachhaltigen ökonomischen Maßnahmen zu überwinden. Darin heisst es: „Angesichts der tiefen Spuren, welche die Coronavirus-Krise hinterlassen wird, vor allem aber wegen der mindestens ebenso bedrohlichen Klima- und Biodiversitäts-Krise, kann es nicht einfach eine Wiederherstellung des vorherigen Status geben“.

Nicht zuletzt gelte es, aus den Erfahrungen mit der Coronavirus-Pandemie und ihren Ursachen Lehren für die Zukunft zu ziehen. Die generelle Zunahme der Bevölkerung, Urbanisierung und globale Mobilität, die Vernichtung und Abnahme der Widerstandsfähigkeit von Ökosystemen durch Landnutzungsänderungen und der Klimawandel trügen wesentlich zum Ausbruch von Epidemien und Pandemien bei.  Staatliche Konjunkturprogramme nach dem Abklingen der Pandemie sollten daher die Kriterien der Nachhaltigkeit in den Vordergrund stellen. Werde diese Chance vertan, so dürfte auf Grund der Größe der jetzigen Wirtschaftsprogramme ein später nötiges drastischeres Umsteuern extrem schwierig werden. Daher liegt in der Wahrnehmung dieser historischen Chance eine kaum zu überschätzende Verantwortung der Handelnden. Notwendig sei dabei eine transparente Kostendiskussion, die auch die massiven externen Kosten von Klima-, Umwelt- und nicht zuletzt daraus resultierenden Gesundheitsschäden berücksichtigt. Ein entschiedenes Handeln von Seiten der Wirtschaftspolitik sei gefordert.

Bei den staatlichen Investitionen sollten strukturpolitische Zielsetzungen, etwa im Hinblick auf die öffentliche Daseinsvorsorge und den Schutz von Gemeinschaftsgütern speziell in den Bereichen Gesundheits-, Klima- und Ökosystemschutz vorrangig berücksichtigt werden.
Der Aufbau einer klimafreundlichen Wirtschaft und eine konsequente Mobilitäts- und Landwirtschaftswende setzten wesentliche Impulse für Innovation und Wachstum. Konkret genannt werden neben dem Abbaus klima- und umweltschädlicher Subventionen die umgehende Einführung eines Preises für fossiles CO2, die schnellstmögliche Verabschiedung und Umsetzung der nationalen Wasserstoffstrategie sowie die Neuregelung des Strommarktes. Ziel müsse ein starker europäischer „Green Deal“ bleiben.  Zahlreiche Organisationen und Denkfabriken aus dem Umwelt- und Klimaschutzbereich wie auch der Politik hatten Ähnliches gefordert.

Hier geht es zur Stellungnahme der Leopoldina:
https://www.leopoldina.org/presse-1/nachrichten/ad-hoc-stellungnahme-coronavirus-pandemie/