Die Klimakrise macht krank – vier Vorschläge für eine gesunde Zukunft

2. Dezember 2020 Allgemein, Pressemeldung

Gemeinsam mit der Helmholtz Klimainitiative veranstaltet die Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit (KLUG) morgen am 3.12.2020 die Präsentation des deutschen Policy Brief und des internationalen Lancet Countdown Berichts 2020. Er wurde von KLUG koordiniert und geht im besonderen auf die deutsche Situation ein. Er zeigt auf, welche Folgen die Erderwärmung hier hat und wo dringender Handlungsbedarf besteht. Alle weiteren Informationen finden Sie in beigefügter Presseerklärung und der Einladung zu diesem Online-Event.

Lancet Policy Brief-Homepage: https://klimagesund.de

Livestreaming der Launch-Veranstaltung am 3.12.2020 um 10 Uhr: https://youtu.be/GaQyvawiUCY


Gemeinsame Pressemitteilung von Lancet Countdown, Bundesärztekammer, Charité, PIK und Helmholtz Zentrum münchen, 2.12.2020:

Die Klimakrise macht krank – vier Vorschläge für eine gesunde Zukunft

Morgen erscheint mit dem Lancet Countdown der neue Bericht zum weltweiten Zusammenhang zwischen Klimawandel und Gesundheit. Er zeigt, dass die Gesundheitsrisiken durch ein sich veränderndes Klima weltweit zunehmen, auch in Deutschland – und dass Gegenmaßnahmen möglich sind.

Die gesundheitlichen Auswirkungen des Klimawandels betreffen bereits heute viele  Menschen weltweit. Immer häufiger kommt es zu Hitzewellen in Deutschland, die vor allem für ältere Menschen oder solche mit Vorerkrankungen tödlich verlaufen können. Hinzu kommen weitere Gesundheitsgefahren durch Extremwetter oder neuartige Krankheitserreger.  Expertinnen und Experten verschiedener Fachdisziplinen fordern deshalb im „Lancet Countdown 2020“ von den politisch Verantwortlichen entschiedene Maßnahmen zur Erreichung der UN-Klimaschutzziele sowie zum Abwenden klimabedingter Gesundheitsschäden.

Der Lancet Countdown 2020 wird am 03.12.2020 veröffentlicht. Der jährliche Bericht zu Klima und Gesundheit wird von der international renommierten medizinischen Fachzeitschrift „Lancet“ herausgegeben. Erstellt wurde er von weltweit 38 führenden akademischen Institutionen und UN-Organisationen. Flankiert wird der internationale Bericht von einem wissenschaftlichen Politikpapier (Policy Brief) für Deutschland. Projektpartner sind die Bundesärztekammer, das Institut für Epidemiologie des Helmholtz Zentrum München, die medizinis­che Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität München, die Charité – Universitätsmedizin Berlin und das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung.

Die Organisationen betonen, dass die Corona-Pandemie die medizinischen, die gesellschaftlichen und auch die wirtschaftlichen Folgen einer globalen gesundheitlichen Krise deutlich vor Augen geführt habe. Die Krise zeige aber auch, wie wichtig weltweite wissenschaftliche Zusammenarbeit und entschlossenes politisches Handeln bei der Krisen-Bewältigung sind. Nach Überzeugung der Projektpartner lässt sich daraus viel für die Bekämpfung des Klimawandels lernen.

„Aufgabe von Ärztinnen und Ärzten ist es, die gesundheitlichen Auswirkungen des Klimawandels darzulegen und Gegenmaßnahmen zum Schutz der Gesundheit nicht nur zu fordern, sondern aktiv zu unterstützen. Dafür leistet der Deutschland-Bericht des Lancet-Countdown mit zahlreichen Empfehlungen für die Politik einen wichtigen Beitrag“, sagt Dr. Ellen Lundershausen, Vizepräsidentin der Bundesärztekammer.

Das Politikpapier für Deutschland stellt mehrere Punkte heraus, für die dringender Handlungsbedarf gesehen wird:

  1. Erfolgreicher Klima- und Gesundheitsschutz sowie eine aktive Wirtschaftspolitik hängen voneinander ab und können sich gegenseitig verstärken. Deshalb sollten bei Initiativen zur Stärkung und zum Wiederaufbau der Wirtschaft nach der Corona-Pandemie Synergieeffekte für den Klimaschutz genutzt werden. Andersfalls drohten drastische Folgen für Leben und Gesundheit sowie eine Negativ-Entwicklung, die auch das Schicksal künftiger Generationen prägen wird. „Gesunde Menschen auf einem gesunden Planeten, darum geht es. Wir sollten die Milliarden an kurzfristigen Coronahilfen für die Wirtschaft nutzen, um gleichzeitig auch etwas gegen die langfristige Klimakrise zu tun“, sagt Prof. Dr. Dr. Sabine Gabrysch, die die erste Universitätsprofessur für Klimawandel und Gesundheit an der Charité innehat und am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung die Abteilung „Klimaresilienz“ leitet.
  2. Die Ernährung ist ein wichtiger Faktor, mit dem jede Bürgerin und jeder Bürger Einfluss auf das Klima nehmen kann. Die Nahrungsmittelproduktion ist für etwa ein Viertel der globalen Treibhausgas-Emissionen verantwortlich – wichtigster Faktor ist hierbei die Tierhaltung. Gleichzeitig hat unsere Art der Ernährung, mit einem großen Anteil tierischer und hoch verarbeiteter Lebensmittel, großen Anteil an chronischen und lebensbedrohenden Erkrankungen wie Adipositas, Diabetes, Herz-Kreislauf-Leiden, Rheuma und Krebs. „Die Umsteuerung auf eine gesunde und nachhaltige Ernährungsweise ist gleichzeitig klimafreundlich“, so Prof. Dr. Annette Peters, Direktorin des Instituts für Epidemiologie am Helmholtz Zentrum München. „Gemeinsam mit mehr aktiver Bewegung kann das den hohen Anteil nicht-infektiöser Krankheiten (NCDs) deutlich reduzieren.“
  3. In Europa ist der Verkehrssektor für etwa ein Viertel der Treibhausgas-Emissionen verantwortlich. Immer deutlicher wird, dass Luftverschmutzung auch ein erheblicher Risikofaktor für viele Krankheiten ist, vermutlich auch für Covid-19. Nicht-motorisierte Bewegung hingegen wirkt dem Klimawandel entgegen, senkt die Luftverschmutzung und fördert gleichzeitig die Gesundheit. Eine konsequent auf Emissionsverringerung ausgerichtete Verkehrspolitik mit fußgängerfreundlichen Straßen, Radwegen und einem nutzerfreundlichen öffentlichen Personennahverkehr ist deshalb zentral für Gesundheit und Klima. Hier zeigt sich erneut die wichtige Rolle, welche die Kommunen in der nötigen Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft einnehmen.
  4. Urbane Räume heizen nicht nur das Klima an, sie haben gleichzeitig das Potenzial, den notwendigen transformativen Wandel zur Nachhaltigkeit massiv voranzutreiben. Das städtische Umfeld nimmt entscheidenden Einfluss auf die Gesundheit der Bewohner. Lokale und kommunale Maßnahmen können diese Räume so transformieren, dass sie die Gesundheit fördern, während sie gleichzeitig die soziale, ökonomische und ökologische Entwicklung vorantreiben. Umwelt- und Gesundheitseffekte müssen deshalb in die Stadt- und Regionalplanung integriert werden.

„Ziele zu formulieren, reicht nicht aus – wir müssen handeln, jetzt!“, sagt Dr. Martin Herrmann, Vorsitzender der Deutschen Allianz Klimawandel und Gesundheit (KLUG) und Mitautor des Berichts „Bei den Gesundheitsberufen ist die Dringlichkeit des Themas angekommen. Auch Politik und Gesellschaft haben durch die Pandemie erkannt, wie dramatisch sich die Welt verändern kann.“

Weitere Informationen und Einschätzungen erhalten Sie auf der Online-Launch-Veranstaltung am 3. Dezember 2020, ab 10 Uhr. Informationen dazu unter https://klimagesund.de/

An der Veranstaltung  nehmen teil:

  • Prof. Dr. Dr. Sabine Gabrysch, Lehrstuhl für Klimawandel und Gesundheit an der Charité – Universitätsmedizin Berlin, Leiterin der Forschungsabteilung Klimaresilienz an Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK)
  • Prof. Dr. Annette Peters, Direktorin des Instituts für Epidemiologie, Helmholtz Zentrum München
  • Dr. Ellen Lundershausen, Vizepräsidentin der Bundesärztekammer
  • Prof. Dr. Dr. Anja Bosy-Westphal, Deutsche Allianz Nichtübertragbare Krankheiten – DANK, Präsidentin Deutsche Gesellschaft für Ernährungsmedizin
  • Prof. Dr. Tadj Oreszczyn, Energy Institute, University College London, Representative Lancet Countdown
  • Dr. Martin Herrmann, Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit – KLUG

Den Policy Brief für Deutschland 2020 können Sie hier abrufen:

Deutsche Version (Pdf-Datei)
Englische Version (Pdf-Datei)

sowie den globalen Report hier:  https://www.lancetcountdown.org/2020-report/

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