Schnelles Handeln für Klimaschutz und saubere Luft notwendig

7. September 2021 Allgemein, Pressemeldung

Gesundheitsexpert*innen veröffentlichen sechs Handlungsempfehlungen, um das größte umweltbedingte Risiko für die Gesundheit zu senken.

Klimawandel und Luftverschmutzung haben gemeinsame Ursachen und schaden damit mehrfach der Gesundheit. Darauf weist die Deutsche Allianz Klimwandel und Gesundheit (KLUG) angesichts des Internationalen Tages für die Luftreinhaltung (International Day of Clean Air for Blue Skies) hin. 

Die Verbrennung fossiler Energien in Haushalten, dem Industrie- und Energiesektor, sowie dem Verkehr befördern nicht nur die Erderwärmung, sondern auch schlechte Luftqualität. Feinstaub, Stickoxide (NOx), Ozon, Ruß und Quecksilber führen zu vorzeitigen Todesfällen, einer Zunahme von Herz-Kreislauf-, Atemwegs- und Krebserkrankungen. Emissionen aus der Industriellen Landwirtschaft und Tierhaltung tragen ebenfalls zur Krankheitslast bei.

In Deutschland, Europa und global ist Luftverschmutzung das größte umweltbedingte Risiko für die Gesundheit. Laut Schätzungen führt schlechte Luftqualität in Deutschland zu 70.000 – 125.000 vorzeitigen Todesfällen jährlich. Laut Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation sterben jedes Jahr 7 Millionen Menschen weltweit durch Feinstaub und andere Luftschadstoffe. 

Neue Studien zeigen Gesundheitsschäden bei Kindern auch bei niedrigen Schadstoffkonzentrationen und verweisen auf Schäden für die gesunde Entwicklung von Kindern, die bereits im Mutterleib beginnen können. Die Folgen zeigen sich oft erst Jahrzehnte später und bedingen ein lebenslang erhöhtes Risiko für chronische Krankheiten.

Diese Gesundheitslast durch menschenverursachte Luftverschmutzung ist weitgehend vermeidbar. 

Die AG Saubere Luft von KLUG, einem Netzwerk von Einzelpersonen, Organisationen und Verbänden aus dem Gesundheitsbereich, hat sechs Empfehlungen erarbeitet, mit denen kurz- und langfristig die Luftqualität verbessert werden kann. Dazu gehören die Anpassung der aktuellen Luftqualitäts-Grenzwerte an die WHO-Empfehlungen und aktuelle Studien; der Einbezug aller Schadstoffe in Luftqualitätsmaßnahmen und – management (Ultrafeinstaub, Ruß, Quecksilber, Ammoniak); die finanzielle Förderung derjenigen Maßnahmen und Technologien mit dem größten Mehrwert für Gesundheit, Klimaschutz und Luftqualität; der Abbau aller Subventionen, die Klima, Umwelt, Luftqualität und Gesundheit schädigen; die Einführung von Steuer- und Preissystemen, die die reellen Gesundheits- und Umweltkosten widerspiegeln und sozial gerecht sind; sowie Analysen und Einbeziehung der Gesundheitskosten und -vorteile für alle Maßnahmen im Bereich der Luftqualität und des Klimaschutzes, auch um mögliche gesundheitsschädliche Auswirkungen und Zielkonflikte von umweltpolitischen Maßnahmen zu vermeiden. 

Immer mehr Gesundheitsorganisationen und -expert*innen weisen auf den Zusammenhang zwischen Klimakrise, Luftverschmutzung und Gesundheitsauswirkungen hin. Das Positionspapier der AG Saubere Luft leitet aus diesen Zusammenhängen Handlungsempfehlungen ab, die Gesundheit, Luftverschmutzung, Umweltkrise und Klimaschutz in Ihren Wechselbeziehungen adressieren. Angesichts der bedrohlichen Krisen und ihrer Risiken für die Gesundheit haben Ärzt*innen und der Gesundheitssektor eine gesellschaftliche und berufliche Verantwortung für den Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen und intakter Ökosysteme (planetare Gesundheit), von denen Gesundheit, Wohlergehen und wirtschaftliche Prosperität entscheidend abhängen und die von der Klima- und Umweltkrise existenziell bedroht sind. 

Positionspapier „Zusammenhang von Klimakrise, Luftverschmutzung und Gesundheit“:

Zitate der Gesundheitsexpert*innen:

„Die Extremwetterereignisse dieses Sommers in Deutschland und Europa haben überdeutlich gemacht, dass wir beim Klimaschutz den Turbo einschalten müssen. Maßnahmen zur Bekämpfung der Klimakrise tragen in allen Sektoren erheblich zur Verringerung von Luftverschmutzung bei und bringen dreifachen Gewinn: für Gesundheit und Wohlergehen, für Klima- und Umweltschutz und für die Wirtschaft, da sich die Vorteile, die damit einhergehen, in aller Regel auch ökonomisch auszahlen“, so Dr. med. Martin Hermann, KLUG-Vorsitzender. 

In Deutschland tragen Haushalte immer noch entscheidend zur Feinstaubbelastung und damit zur Luftverschmutzung bei. Die Nutzung von Kaminen und Öfen ist besonders gefährlich für die Gesundheit, da bei der unvollständigen Verbrennung von Holz in Kaminen und Öfen krebserregende Stoffe entstehen. Der zusätzliche Schaden fürs Klima über CO2-, Ruß- und Methanemissionen wird häufig übersehen. Die Subventionierung für Holzverbrennung und Abholzen sollte schnellstmöglich beendet werden“, so Dr. rer. nat Anja Behrens, Sprecherin der AG Saubere Luft von KLUG.

Auch wenn die Luftverschmutzung meistens unsichtbar ist, ist sie ein wesentlicher Faktor für die Zunahme von chronischen Krankheiten. Die aktuellen Grenzwerte für Luftqualität sind wissenschaftlich veraltetet und unzureichend, um unsere Gesundheit zu schützen. Die nächste Bundesregierung sollte alles daran setzen, die Luftqualität zu verbessern, um die Krankheitslast und -kosten zu verringern, meint Anne Stauffer, Mitglied der AG Saubere Luft und stellvertretende Geschäftsführerin von Health and Environment Alliance (HEAL).

„Die immer bedrohlicher werdende Erderhitzung und die Luftverschmutzung sind überwiegend menschengemacht. Noch haben wir die Möglichkeit, das Schlimmste zu verhindern. Die Liste der Maßnahmen, die es dazu braucht und die den größten Mehrwert für die Gesundheit bringen, ist klar. Was es jetzt braucht ist ein Durchbrechen mentaler Grenzen und  den politischen Willen zur schnellen Umsetzung der vorhandenen Lösungen, denn die Zeit läuft uns davon.“, so Dr. med. Dieter Lehmkuhl, Mitglied der AG Saubere Luft.

„Maßnahmen zur Luftqualität sind besonders wichtig, um Kinder besser zu schützen. Bereits im Mutterleib kann ihre gesunde Entwicklung durch Feinstaub geschädigt werden, mit Folgen, die sich erst Jahrzehnte später zeigen können. Um das Krankheitsrisiko zukünftiger Generationen zu senken müssen wir jetzt aktiv werden“, meint Dr. med. Thomas Lob-Corzilius, Kinderarzt und Mitglied der AG Saubere Luft.

„Luftschadstoffe aus der Landwirtschaft sind ein wichtiger, aber oft übersehener Bereich, in dem dringendes Handeln notwendig ist. Der Umbau der Landwirtschaft und der Landnutzung, sowie ein verändertes Ernährungsverhalten sind unabdingbar, um die Ziele des Pariser Klimaabkommens zu erreichen, und die Luftqualität zu verbessern. Dies wird vielfältige Gesundheitsgewinne bringen“, so Dr. med. Gottfried Arnold, Mitglied der AG Saubere Luft.

„Der Verkehrssektor ist ein Hauptverursacher von Luftverschmutzung weltweit und die Gesundheitsbelastung ist vor allem in Städten zu hoch. Es braucht mehr politischen Willen, um die Verkehrswende voranzubringen, die vielfältige Gesundheitsgewinne bringen wird. Dazu gehört als ein wichtiger Schritt die zügige Nachrüstung mit Partikelfiltern für Diesel-PkWs, den öffentlichen Nachverkehr und den Schwerverkehr“, so Dr. Heinz Fuchsig, Arbeitsmediziner und Mitglied der AG Saubere Luft

Lebenswichtige Luft, uns Menschen, Tieren, Pflanzen von Geburt an gegeben, atmen sie so egal natürlich und denken nicht einmal über ihre Einzigartigkeit nach, weshalb sich heute immer mehr Kommunen in Deutschland aktiv für saubere (Stadt-) Luft engagieren. Es braucht dringend bessere finanzielle Förderung für aktive Mobilität, Ausbau des ÖPNV mit Erneuerbaren Energien, Grünflächen etc – für diejenigen Maßnahmen, die den größten Mehrwert für Gesundheit, Klimaschutz und Luftqualität auf lokaler Ebene bringen“, meint Dipl. vet. Ing. Torsten Garate, Mitglied der AG Saubere Luft. 

Für Rückfragen:

Dr. Anja Behrens, Sprecherin der AG Saubere Luft bei KLUG
anja.behrens2020@gmail.com

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